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Transkript

Hallo und herzlich willkommen bei Coconut-Talk, deinem Podcast über das Leben in Indonesien!

Ich bin deine Gastgeberin Gunda und gemeinsam mit meinen Gästen werden wir die zahlreichen Inseln Indonesiens entdecken.

Freu dich auf spannende, kuriose und manchmal auch kritische Themen.

Viel Spaß beim Zuhören und beim Erkunden des größten Inselreichs der Welt!

Gunda: Selamat datang und herzlich Willkommen zu unserer allerersten Folge bei Coconut-Talk. Ich freue mich ganz arg auf meinen ersten Gast: Carolin aus Schwabhausen, aus der Region Dachau. Caro ist seit über 6 Jahren in Indonesien und lebt mittlerweile auf Morotai, eine Insel auf den Nord-Molukken, genauer gesagt: die nördlichste Insel der Nord-Molukken.

Wir werden uns heute über die Themen Resortbau, speziell des Metita Beach & Dive Resorts unterhalten, das auf den Nord-Molukken entstehen wird, außerdem über Vorurteile, die uns in Indonesien begegnen und Besonderheiten im indonesischen Familienleben.

Caro, hallo erstmal und schön, dass du bei mir bist!

Carolin: Hallo, ja ich freu mich auch.

Gunda: Der allererste Gast!
Vielleicht möchtest du erstmal mit eigenen Worten erklären, was du momentan machst?

Carolin: Ganz kurz gesagt, bauen wir ein Resort hier auf der Insel Metita, das ist eine kleine verlassene, einsame Insel vor Morotai. Eine wunderschöne Insel mit weißem Sandstrand, Dschungel.. – paradiesisch! Mit einem tollen Saumriff zum Tauchen, was Traumbedingungen sind.

Wir haben jetzt im Februar angefangen zu bauen, nachdem wir zwei Jahre lang den Genehmigungsprozess hinter uns gebracht haben. Der Plan ist, dass es Ende des Jahres fertig sein soll – müssen wir mal gucken, ob wir das hinkriegen!

Gunda: Toi toi toi! Ihr habt lange genug gewartet bei zwei Jahren Anlaufzeit. Da können wir schon hoffen, dass da alles reibungslos verläuft!

Carolin: Ja, definitiv.

Gunda: Vielleicht klären wir zu Anfang noch: wie bist du überhaupt nach Indonesien gekommen und wie kam es dazu, dass du das machst, was du jetzt im Moment machst?

Carolin: Ja, also wenn man das jetzt wirklich ausführlich erklären wollte, wäre es eine ziemliche lange Story. Wenn man es versucht, etwas kurz zu fassen, würde ich sagen, dass bei mir eigentlich schon 2014 der Grundstein dafür gelegt wurde.

Ich war grundsätzlich schon immer jemand, der nicht unbedingt happy mit dem deutschen System war – also relativ systemkritisch. Und hatte dadurch eigentlich schon immer das Gefühl, dass ich nicht wirklich da rein passe.

2014 habe ich dann über meinen damaligen Yogalehrer einen Schamanen kennengelernt bzw. drei Schamanen und habe dann angefangen, Ayahuasca auszuprobieren. Ich habe mehrere Rituale mitgemacht, u.a. war ich in Brasilien für einen knappen Monat und habe dort im Dschungel Ayahuasca-Zeremonien mitgemacht. Das war eigentlich der Moment, wo ich gelernt habe, dass nicht ich ein Problem mit dem System habe, sondern das System ein Problem mit mir. Bzw. dass ich mich nicht einfach zum Roboter runterdegradieren lassen wollte und das nicht funktioniert. Ich bin jemand, der Sachen hinterfragt und Dinge nicht als allgemeingültig stehen lässt.

Ayahuasca hat mir dabei geholfen, dass ich erkannt habe, wer ich wirklich bin und dass ich mich nicht irgendwie verbiegen muss, um ins System zu passen, sondern dass ich einfach okay bin und in Ordnung bin, so wie ich bin. Und dass es viel wirklicher und ehrlicher ist, zu mir selber zu stehen und einfach das zu machen, was mich glücklich macht und nicht das, was andere Leute glücklich macht.

Das hat dann dazu geführt, dass ich meinen Job im Büro hingeschmissen habe, weil ich keine Lust mehr hatte auf 9-5.

Gunda: Was hast du vorher gemacht in Deutschland?

Carolin: Ich bin eigentlich Innenarchitektin und habe in einem ganz tollen Innenarchitekturbüro gearbeitet. Wir haben ganz tolle Projekte gemacht. Wir haben Hotels gebaut und eingerichtet und wir haben für einen großen Schweizer Reisekonzern europaweit die Reisebüros gemacht – also die Arbeit war toll. Aber es war halt ein Bürojob und ich bin halt kein Büro-Mensch.

Gunda: Lieber barfuß auf der Insel…

Carolin: Genau, also mit nem Laptop auf der Insel sitzen ist besser als mit nem Laptop im Büro!

Dann habe ich erst den Bürojob hingeschmissen und mich selbstständig gemacht mit meinem eigenen Innenarchitekturbüro. Dabei habe ich international Hotels geplant und war schließlich im September/Oktober 2014 hier in Indonesien in Nord-Sulawesi, in der Bunaken-Gegend auf der Insel Siladen im Urlaub, mit Freunden beim Tauchen. Ich tauche seit 2000, damals habe ich meinen Tauchschein gemacht. Und so war ich mit einer Gruppe von Freunden dort und in der Zeit hat mir der damalige Manager einen Job angeboten und hat mich gefragt, ob ich Interesse hätte, als Managerin und Tauchlehrerin im Resort zu arbeiten.

Wir haben uns gut verstanden und er hat gemeint, das passt irgendwie. Und dann habe ich gesagt, ja, warum eigentlich nicht?

Und an dem Punkt steht man dann natürlich an einer Entscheidung, da musst du dann sagen: entweder ja – hopp oder top, ich machs! Oder ne, es ist nichts für mich. Ich habe halt gesagt, ja, ich lasse es drauf ankommen, ich probiers.

Ich habe dann noch während meines Urlaubs mein Curriculum geschrieben auf meinem Telefon und an die Chefs von Celebes Divers geschickt. Im November hatte ich bereits die Einladung fürs Vorstellungsgespräch in Zürich. Dann war ich in Zürich im November und Ende November kam die Zusage und im Januar habe ich meine Koffer gepackt, meine Wohnung gekündigt und bin hierher gezogen.

Gunda: Also, das ging dann ziemlich schnell – von jetzt auf gleich.

Carolin: Das ging dann ziemlich schnell, ja. Das war Januar 2015 und dann habe ich erst 3,5 Jahre in Manado im Resort gearbeitet als Resortmanagerin und Tauchlehrerin. Dort habe ich Leute kennengelernt, die jetzt auch Teil unseres Projekts sind. Einer davon ist mein früherer Chef zum Beispiel, ein Ehepaar, das bei uns dabei ist, sind frühere Stammgäste von mir. So kam das eine zum anderen und die Idee wurde geboren, selber was aufzumachen. Danach bin ich mit meinem inzwischen Ehemann auf die Suche gegangen und wir sind in Morotai gelandet.

Gunda: Und warum Morotai? Gibt’s da eine Geschichte dazu? Weil es ist ja doch eine sehr unerschlossene Insel, der Tourismus steckt noch in Babyschuhen. Ist natürlich perfekt, um hier auch was aufzubauen, aber man muss erstmal auf die Idee kommen, in diese Ecke zu kommen.

Carolin: Das kam eigentlich dadurch, dass mein Mann Familie in Tobelo hat, das ist am Festland hier auf Halmahera. Als wir aus Manado weg sind, sind wir erstmal zu seiner Tante und haben bei ihnen gewohnt und dabei die Gegend ein bisschen erkundet. Wir waren auch beim Tauchen und haben dadurch diese Inseln gefunden. Und wie immer die Zufälle so sind, hat unser Bootskapitän, mit dem wir beim Tauchen waren, erzählt, dass seine Familie Land auf der Insel Metita besitzt und sie würden das evtl. verkaufen, man kann sich ja mal zusammensetzen und drüber reden. Und so kam eins zum anderen. Im Februar 2019 sind mein Mann und ich nach Morotai gezogen und haben angefangen, alles aufzubauen. Wir haben dann auch in dem ganzen Prozess erfahren, dass Morotai mit unter die 10 neuen Touristendestinationen von Präsident Jokowi fällt, die ausgebaut werden sollen. Und das sind natürlich alles wichtige Voraussetzungen. Wir haben tolle Riffe, wir haben tolles Tauchen, die Inselwelt ist super, teilweise wie auf den Malediven, die weißen Sandstrände. Dann gibts hier einen bestehenden Flughafen, der noch von den Aliierten damals ist, weil die Insel war damals Kriegsbastion von General McArthur, der hier seinen Hauptsitz hatte. Der Flughafen ist groß genug, dass er international ausgebaut werden kann.

Es sind sehr viele Aspekte, die für die Gegend sprechen und das hat dazu geführt, dass wir gemeinsam als Investorengruppe die Entscheidung getroffen haben, dass wir das hier aufbauen wollen.

Gunda: Beste Voraussetzungen also. Ich muss dazu noch sagen, Morotai hat auch ein paar interessante Ecken für Surfer, eine spannende Dschungelwelt mit Wasserfällen und schwarze Strände gibt es auch auf der West-Seite – du hattest die weißen erwähnt. Also eigentlich haben wir hier ein kleines All-In-Paket auf Morotai.

Carolin: Das stimmt. Es gibt auch noch eine ganz tolle intakte Tierwelt, es gibt hier auch Affen, Kakadus und Hornbills = Nashornvögel. Wenn man hier in den Dschungel geht, kann man alles noch sehen, in seiner ursprünglichen Form und nicht irgendwie angefüttert oder sonstiges. Und wie du sagst, Surfen gibt es hier, tauchen, schnorcheln und speziell die Unterwasserwelt ist halt super variantenreich, es gibt Makro, die Kleintiere, es gibt Haie. Wir haben direkt bei uns vor Metita einen Hai-Spot, wo du Hai-Kino hast das ganze Jahr über. Es gibt Mobulas, Mantas, es gibt Dugongs, es gibt Wände, es gibt Sand, Slopings – also es ist alles irgendwie vorhanden, was man sich eigentlich wünscht.

Dann kommt noch dazu, letztes Jahr im Juni wurde aus der ganzen Inselwelt von Pulau Rau bis Pulau Metita ein Marina Park gemacht, also ein Meeresschutzgebiet und deswegen wird sich das hoffentlich auch in den nächsten Jahren ganz, ganz toll entwickeln.

Gunda: Ja, das ist ganz wichtig, dass das dann so bleibt oder noch besser wird!

Carolin: Ja, extrem wichtig. Umweltschutz ist eh so ein Thema, das generell heutzutage beim Resortbau ein wichtiger Faktor sein sollte.

Gunda: Ja, auf jeden Fall. Und vor allem in Indonesien, denke ich. Da muss man ein bisschen gucken.

Carolin: Ja, da muss man auch viel Geduld aufbringen und die Bevölkerung erziehen, möchte ich mal sagen. Das ist natürlich gerade in solchen einsamen Ecken wie hier ein bisschen schwierig manchmal.

Gunda: Ja, es ist allgemein ein schwieriges Thema, der Umweltschutz.

Carolin: Ja, man hört es ja viel momentan von Bali auch mit der ganzen Plastikverschmutzung dort. Da gibt’s noch viel zu tun.

Gunda: Auf jeden Fall, das ist eine große Aufgabe, die da noch zu meistern ist.

Dein Leben hier und allgemein in Indonesien, was bringt das für Herausforderungen mit sich – also gerne auch auf beruflicher Seite, aber auch auf privater Seite. Gibt’s da Dinge, die dich manchmal an deine Grenzen bringen? Oder die einfach das Leben etwas schwieriger machen im Vergleich? Und wie gehst du damit um?

Carolin: Mit viel Geduld. Und einer unheimlich hohen Toleranzschwelle.

Gunda: Genau, und einer ordentlichen Portion Humor auch, oder?

Carolin: Oh ja, definitiv, definitiv!

Gunda: Kann man hier schon gebrauchen, gell… Was gibt’s denn da für Erfahrungen, was du erzählen magst?

Carolin: Vielfältig. Auf beruflicher Ebene ist es in erster Linie sehr schwierig, auf den Ämtern und in den Büros einheitliche Informationen zu bekommen. Du hast nie eine Person, die dir irgendwie eine Liste geben kann, wo drauf steht, welche Dokumente du zur Verfügung stellen musst und auf welchen Ämtern du was bekommst, damit du eine Baugenehmigung erhältst – ne! So funktionierts leider nicht. Sondern du fragst zehn verschiedene Leute und kriegst zehn verschiedene Auskünfte und wenn du das eine erledigt hast, dann sagen sie dir: Oh, jetzt brauchst du noch das! Und wenn du das erledigt hast, heißt es: Oh, jetzt musst du noch das holen. Also, das ist nervenaufreibend und absolut furchtbar.

Gunda: Ja, oder auch wenn du Informationen finden willst oder dir zusammen suchen musst, dann gehst du in ein Büro und derjenige fühlt sich nicht verantwortlich und sagt: Oh, du musst da nachfragen! Okay, dann gehst du da wieder hin. Dann heißt es: Ne, das ist eigentlich der andere da drüben! Manchmal schicken sie dich da auch wieder hin zurück, weil keiner irgendwie weiß, wer was machen soll oder wer welche Verantwortungen hat. Und der letzte sagt dir dann sowieso: Ach, der Herr ist heute nicht da, hat einen Termin oder frei. Und am Schluss gehst du wieder heim und naja.

Carolin: Genau, oder sie sagen dir dann, derjenige, der unterschreiben muss – weil das ist ja leider immer nur der Bürovorsteher, der unterschreiben kann, das können ja nicht die anderen, es gibt ja keinen Assistenten – und dann ist gerade zu dem Zeitpunkt, wo das Papier unterschrieben werden muss, ist der Bürochef irgendwo in Jakarta und du musst ein, zwei Wochen warten, bis der wiederkommt. Weil sonst kann ja keiner unterschreiben. Also das ist furchtbar.

Und den Satz, den ich am meisten gehört habe hier auf den Ämtern, ist: ada contoh? Haben Sie ein Beispiel? Weil sie halt wirklich keine Ahnung haben, wenn du sagst, du brauchst das und das Dokument, dann sagen sie: Ach, das haben wir noch nie ausgestellt, hast du ein Beispiel dafür? Und dann meine ich: Ich brauch das Dokument von euch, nicht ihr von mir, also hallo? Ich meine, wenn ichs wüsste, wie mans macht, kann ichs auch selber machen.

Gunda: Das stimmt. Da ist am besten, man bringt alles schon mit als Beispiel und sie tauschen nur die Namen aus. Also das ist wirklich unglaublich, ja. Ist natürlich speziell hier, weil wir so weit ab vom Schuss sind und hier wirklich noch viel nicht nach Plan bzw. nicht routiniert läuft. Also es ist schon eine große Herausforderung immer wieder, auf irgendein Amt zu gehen.

Carolin: Ja und die Informationsweitergabe innerhalb von den Ämtern erscheint mir teilweise katastrophal. Es gibt kein Servicetelefon, wo man in Jakarta anrufen und fragen kann, wie man etwas macht. Ne, da frage ich den Kunden, ob er ein Beispiel dabei hat. Da ruft keiner nach Jakarta an und fragt nach einem Beispiel. Ne, so funktioniert das hier nicht.

Das läuft mit Sicherheit in Touristengegenden wie Bali, Manado oder Jakarta besser. Hier ist schon noch eine Herausforderungen, ja. Aber muss man sich halt auch drauf einlassen. Wenn man das von vornherein weiß. Ich kann auch direkt sagen, für zukünftige Investoren, die hierherkommen sollten, kontaktiert lieber die Gunda oder mich, wir wissen mit Sicherheit besser Bescheid als die Leute auf dem Amt hier.

Gunda: Genau, wir haben die ganzen Beispielbriefe! Wenn ihr einen braucht, zu uns, das geht schneller.

Carolin: Ein Freund von mir hat mal zu mir gesagt, er hat von den Büros hier die ganzen Briefköpfe und wenn er ein Dokument braucht, setzt er das in den entsprechenden Briefkopf ein und bringt das nur noch ins Büro zum Abstempeln und zum Unterschreiben.

Gunda: Das ist praktisch, super!

Da könnte man eigentlich eine Agentur aufmachen, oder?. Da kommen die Leute her und wir fragen: Ja, was braucht ihr? – Ach, wir brauchen das und das. – Alles klar, bereit ich vor, kleinen Moment. Und dann geht’s ganz schnell am Schluss.

Carolin: Die Idee hatten wir auch schon.

Gunda: Verrückt.

Ja, aber es hat trotzdem seinen Charme, wenn man in so einer Gegend ist, es ist alles noch urig und ich sag immer: Welcome to the jungle! Weil es ist viel auch einfach nach Gewohnheitsrecht oder eigenen Regelungen, die umgesetzt werden. Das hat einen eigenen Charme, definitiv.

Carolin: Definitiv. Und ich möchte auch ganz ehrlich gesagt, nicht tauschen. Ich möchte nicht, nur um es dann einfacher auf den Ämtern zu haben, nach Bali gehen. Ne, auf keinen Fall.

Tausendmal lieber hier mit dem Aufwand und dafür aber intakte, ursprüngliche, einsame Inselwelten.

Gunda: Ja, ist schon was Besonderes hier.

Carolin: Zu den privaten Herausforderungen, ja, da gibt’s schon auch einiges. Indonesier haben zum Beispiel das Talent, sie können nicht unbedingt vorausplanen, Zukunftsdenken ist extrem schwierig. Da hat man gerade oft mit den Angestellten seine Probleme, wenns um Vorratshaltung geht. Ist ja dann auch nicht so, dass man von einer Insel mal schnell nebenan in den Supermarkt geht. Das muss man organisieren und ist manchmal recht schwierig.

Das merkt man halt natürlich auch im privaten Bereich, klar.

Und was ich sehr traurig finde, was mein Mann mir mal erzählt hat, was Gang und Gäbe ist bei den Kindern, dass wenn man Fehler macht, man ausgelacht wird. Das finde ich echt traurig.

Womit man auch sehr viel zu kämpfen hat, ist Diskriminierung natürlich, einfach als Ausländer, als Bule. Das kommt schon immer vor.

Gunda: Ja, inwiefern äußert sich das?

Carolin: Grundsätzlich das Vorurteil, dass man eh Kohle hat. Da kommt es schon immer mal wieder vor, dass Sachen, die man herleiht, Equipment oder Schraubenschlüssel oder sonstiges, dass da nicht unbedingt Rücksicht drauf genommen wird. Wenns verloren geht, oder kaputt geht, kann man sichs ja wiederkaufen so ungefähr.

Gunda: Also keine wirkliche Wertschätzung vorhanden.

Carolin: Ja, oder dass dann teilweise auch Geld hinterzogen wird. Also das hatten wir jetzt auch im Resortaufbau, ohne Namen zu nennen und das habe ich auch von vielen anderen von hier gehört, die geschäftlich unterwegs sind. Ich kenn ja viele Leute aus dem Hotel-Business. Das ist bei vielen, vielen vorgekommen, dass Gelder hinterzogen oder einfach gelogen wurde und zum Beispiel erzählt wurde: Ja, das ist mein Land, ich verkaufe euch das. Und dann wurde der Verkaufsprozess abgewickelt und so weiter und hinterher rennt derjenige mit dem Geld weg und es stellt sich heraus, das Land gehört ihm gar nicht.

Weil grad in solchen Gegenden wie hier, gibt’s noch keine Grundbucheintragungen, da läuft alles noch übers Traditionelle, über adat, die religiösen und traditionellen oder familieninternen Vererbungsrichtlinien, die nirgends festgelegt sind. Und das kannst halt nicht nachprüfen. Da kannst nicht aufs Amt gehen und fragen, wem das Land gehört. Da sagen die: keine Ahnung.

Gunda: Ja, und es gibt keine Zertifikate. Das kommt alles erst noch hier.

Carolin: Eben, es gibt hier noch keine Zertifikate. In Gegenden wie Java und so ist das schon Gang und Gäbe, aber so wie hier…ne. Da muss man extrem vorsichtig sein und es ist halt leider oft die Mentalität so, dass es dann heißt: naja, der Weiße kann sich das ja leisten. Wenn ich dem mal so ein paar 100 Millionen Rupiah klaue, so mehrere Tausend Euro oder Zehntausende Euro unter Umständen, wenns um Landkauf geht, ja, der Weiße hats ja. So nach dem Motto. Das ist schon teilweise krass.

Gunda: Ja, das ist schon das größte Vorurteil, was hier herrscht.

Man kann es irgendwie nachvollziehen, weils sie uns ja immer hier sehen. Wir können uns ein Ticket hierher leisten, kommen von weither und machen dann meistens auch Urlaub, das ist natürlich für Indonesier alles mit Wohlstand verbunden im ersten Moment. Dass wir dafür auch hart arbeiten und teilweise mehrere Jobs haben, das ganze Jahr durcharbeiten, dass wir mal zwei Wochen im Jahr Urlaub machen können, daran denken die wenigsten.

Ich bekomme auch immer wieder Kommentare zu hören: Ja, Gunda, wieso arbeitest du denn? Du hast doch Geld.

Also dieses Selbstverständliche: du hast doch eh Geld. Ja, aber entschuldigung, wenn ich nicht arbeite, dann habe ich auch kein Geld bzw. es geht mir aus. Das haben sie noch nicht im Kopf, dass das bei uns nicht einfach so vom Himmel fällt. Das ist sehr schwierig manchmal, sehr schwierig.

Carolin: Ja und sie sehen es auch oft, dass man als Weißer höheres Gehalt kriegt. Wobei ich dazu auch sagen muss, das Gehalt, das ich hier kriege, ist bei weitem niedriger als das, was ich verdient habe, als ich mein eigenes Büro in München hatte. Also es ist ein Bruchteil und trotzdem kann ich jetzt aber mehr zurücklegen als vorher, das kommt dazu. Aber das ist halt das, was die hier sehen.

Man muss halt auch sagen, wenn jemand bei uns in Deutschland einen Mindestjob hat mit Mindestlohn oder Sozialhilfe bezieht mit 400 Euro im Monat, das ist für jemanden hier immer noch viel Geld. Weil der Mindestlohn hier liegt bei mehr oder weniger 200 Euro im Monat. Wobei man da auch dazu sagen muss, dass die Lebensunterhaltungskosten hier extrem viel billiger sind.

Mein Mann zum Beispiel, als er das erste Mal in Deutschland war und wir waren beim Abendessen, wir haben für zwei Personen mit Getränken usw. fast 100 Euro gezahlt. Er hat mir den Vogel gezeigt, er hat gesagt: das ist ja Wahnsinn. Weil hier kannst du teilweise für ein, zwei Euro essen gehen, pro Person inklusive Getränke. Das darf man nicht vergessen. Deswegen ist natürlich jemand mit unserem Gehalt ein reicher Mensch.

Aber wie du vorhin auch gesagt, wir arbeiten auch dafür und man muss dann schon auch sehen, dass – also es gibt hier schon auch gute Arbeiter, ich möchte jetzt nicht alle über einen Kamm scheren – aber, die Erfahrung ist schon eher so, dass öfter mal ne Zigarettenpause gemacht wird und so. Also die Disziplin im Gegensatz zu der eines Ausländers ist schon ein riesengroßer Unterschied.

Gunda: Ja, schon. Es wird schon alles sehr entspannt gesehen und wenn die Mittagspause dann mal zwei Stunden dauert, dann ist das auch nicht so schlimm. Und wenns mal regnet und man kann nicht auf den Roller steigen –

Carolin: Ja, dann kommt man mal einfach nicht zur Arbeit!

Gunda: Ja, also das ist schon alles sehr viel entspannter hier.

Carolin: Und deswegen was wir vorhin gesagt haben, man braucht ne hohe Toleranzschwelle hier.

Gunda: Auf jeden Fall!

Vor allem wir mit unserer deutschen Ordnung und Pünktlichkeit und unserer Mentalität ecken da schon manchmal an. Also ich muss zugeben, dass ich eigentlich fast täglich etwas beobachte, wo ich mir denke: eieieiei…. Den Kopf schüttle, oder schmunzle oder mir dann denke: naja, Indonesien.

Das ist einfach ein großer Unterschied.

Carolin: Das fängt ja dann schon mit so Kleinigkeiten an, dass wenn eine private Feier ist, sie einfach mal komplett die Straße sperren und dann ihre Zelte auf der Straße aufbauen, um ihre Partys zu machen – das ist halt ein absolutes No-Go, was es in Deutschland im Leben nicht geben würde! Das stünde die Polizei da und würde das komplett räumen. Und hier ist es völlig normal. Da fahren dann halt komplett alle Autos und Roller die Umgehungsstraße irgendwo hinten durch die Pampa.

Gunda: Genau, weil da wieder ein Zelt steht auf der Straße mit Plastikstühlen und Plastikblumen als Deko. Das wird so allgemein akzeptiert.

Und vor allem bei Beerdigungen steht das ganze ja mehrere Tage. Ich glaube, erst 7 Tage dann am 40. Tag nochmal – also das ist bei muslimischen Beerdigungen so, glaube ich jetzt. Ich bin mir jetzt nicht sicher, an welchen Tagen, aber es ist ein wiederkehrendes Ereignis.

Carolin: Ja und das ist dann jedes Mal eine Feier.

Gunda: Die kulturellen Unterschiede, die werden dir bestimmt auch privat begegnen, vielleicht auch im Haus. Du hast ja vorhin schon erzählt, dass du einen Mann hast und zwar ein Indonesier. Ihr habt euch auf der Arbeit damals kennengelernt.

Wie sieht denn eine Beziehung mit einem Indonesier aus, wenn doch so große Unterschiede vorherrschen? Magst du da vielleicht ein bisschen was teilen, aus deinem Privatleben, so aus dem Nähkästchen plaudern?

Carolin: Ja, kann ich schon ein bisschen was erzählen. Also es ist natürlich nicht immer einfach, muss man schon sagen. Gerade wie du sagst, kulturelle Unterschiede. Es sind einfach die Auffassungen darüber, wie eine Beziehung funktioniert oder wie die Rolle eines Mannes und einer Frau in der Ehe sein sollte, ein großer Unterschied zu Deutschland. Viele sagen immer, es ist ziemlich konservativ hier. Aber ich finde das jetzt ehrlich gesagt nicht so sehr. In mancherlei Hinsicht ja, aber in mancherlei Hinsicht überhaupt nicht. Es ist schon relativ festgelegt, dass die Frau sich mehr oder weniger um den Haushalt kümmert, aber auf der anderen Seite sind die Männer extrem involviert in die Kindererziehung und die Frauen haben die Finanzen im Haus in der Hand. Wenn der Mann arbeitet, dann bringt er das Geld nach Hause und gibt es seiner Frau. Und wenn er Geld braucht, um sich Zigaretten oder sonstiges zu kaufen, muss er das von der Frau dann einfordern. Das ist schon relativ modern, was das angeht.

Und ja, sonst ist die Rollenverteilung ist hier bei weitem eindeutiger und klarer, als es in Deutschland ist. Was mir persönlich liegt, also ich mag das eigentlich lieber so. Auch wenn es mir manchmal komisch vorkommt, wenn ein Projekt ansteht, wie z.B. einen Zaun zu bauen, als Frau ist das nicht gern gesehen, dass du mit anfasst. Das ist die Männerarbeit, die Rolle der Frau ist dann für die erschöpften Männer einen Kaffee zu machen und hinterher das tolle Ergebnis zu bewundern und Lobeshymnen auszubreiten.

Gunda: Aber es hat auch Vorteile, gell? Weil man kann sich schon ab und zu rausziehen, grad bei diesem typischen Männergeschichten und einfach den Mann rufen oder um Hilfe bitten, also man muss nicht irgendwie die starke Frau miemen und mit anpacken. Kann man natürlich machen, aber es hat schon auch Vorteile.

Carolin: Ja, also normalerweise ist das halt meine Art. Ich mache normalerweise alles selber und als ich nach Indonesien gekommen bin, musste ich da schon einiges lernen. Das war schon teilweise lustig.

Ich wurde auch von meinem damaligen Staff auf Siladen ziemlich schnell als Dickschädel bezeichnet. Weil ich überall immer mit angepackt habe und mir auch nicht sagen lassen wollte, dass ich mich daneben hinsetzen soll und zugucken soll. Weil das ist für mich was völlig komisches. Ich setze mich doch nicht nebenhin und schaue anderen beim Arbeiten zu.

Das ist schon eher hier so die klassische Rollenverteilung, die Frau kümmert sich ums Haus und der Mann macht die schweren Arbeiten – das ist schon so.

Wie du sagst, es hat auch seine schönen Seiten.

Gunda: Wobei du ja jetzt nicht wirklich die typische Hausfrau bist. Mit eurem Projekt da hast ja eigentlich du das Zepter in der Hand und machst eigentlich du die wichtigsten Dinge.

Carolin: Ja, also wir arbeiten da zusammen dran. Wir sind beide Geschäftsführer, aber ich bin leitende Geschäftsführerin.

Das ist auch hier nicht ungewöhnlich, ich kenne viele Ehepaare, wo beide arbeiten. Es ist nicht so, dass die Frau grundsätzlich zu Hause ist.

Aber es wird schon eher davon ausgegangen, dass der Mann als Familienoberhaupt die wichtigere Rolle hat. Das passiert mir schon immer öfter, dass bei unserem Projekt mein Mann gefragt wird, wie etwas gemacht werden soll und er dann erstmal mit mir Rücksprache halten muss. Oder wenn jemand Geld braucht, um etwas zu bezahlen, fragen sie dann eher ihn statt mich. Weil das ist eben Tradition hier.

Es gibt ja noch diese Familienkarte, wo alle Familienmitglieder eingetragen sind. Und automatisch ist der Mann das Familienoberhaupt. Der Ernährer der Familie.

Und bei meinem Mann ist das schon auch so, dass er was arbeiten und Geld verdienen will, weil das ist seine Rolle, er möchte seine Familie ernähren – auch wenn ich ein höheres Einkommen habe als er. Aber für ihn war es ganz schlimm, als ich in Manado noch gearbeitet habe und er schon gekündigt hatte und kein Einkommen hatte. Ich hab dann als Frau sozusagen die Familie ernährt. Das war für ihn ein bisschen schwierig.

Gunda: Ja, habe ich die gleiche Erfahrung gemacht. Das können sie dann selber nicht wirklich annehmen, weil sie von klein auf anders aufwachsen.

Carolin: Die Männer werden von klein auf so erzogen, dass sie die Familie zu ernähren haben und sich um die Familie zu kümmern haben und dafür sorgen müssen, dass es der Familie gut geht. Und der Mann ist aber auch wie der Beschützer der Familie. Also ich hab mich jetzt im Vergleich zu früheren Beziehungen in Deutschland noch nie so sicher und geborgen gefühlt wie mit ihm. Weil ich einfach weiß, auch wenn wir mal streiten, was ganz normal ist, dass ich mich hundertprozentig auf ihn verlassen kann. Dass er mich verteidigt, egal gegen wen und vor wem. Ich bin seine Frau und damit stehe ich an seiner Seite und das ist das Wichtigste neben unserem Kind.

Gunda: Ja, man kann sich drauf verlassen und man fühlt sich sicher. Die Ehe hat da mehr Gewicht, man heiratet nicht einfach so, dass man sich nach ein paar Jahren wieder scheiden lässt – also klar solche Fälle gibt’s hier genauso und wahrscheinlich auch immer mehr – aber eigentlich hat das schon nochmal mehr Gewicht, wenn man heiratet. Dann ist das die Frau und dann bleibt das so oder eben der Mann und es wird nicht leichtfertig über die Schulter geworfen. So fühle ich mich schon auch.

Carolin: Und mein Mann hat zum Beispiel auch immer gesagt, bevor wir geheiratet haben, dass das für ihn auch wichtig ist, dass wir heiraten, damit er mich beschützen kann. Weil es schon nochmal ein Unterschied ist, ob du seine Frau bist oder nur die Partnerin.

Gunda: Ja, und nur die Partnerin ist ja auch nicht gern gesehen. Es ist schon noch so, dass man hier ziemlich schnell heiratet und zusammenlebt und dann auch erst das Kind kommt usw. Dass man über mehrere Jahre hinweg nur eine Beziehung führt, das ist immer noch nicht so wirklich gern gesehen, vielleicht ist es in den Städten noch ein bisschen normaler.

Carolin: Wobei das auch viel damit zu tun hat, dass immer noch diese Denke vorherrscht von wegen kein Sex vor der Ehe und so. Das kriegen die auch immer eingebleut hier. Weil das Thema Aufklärung ist ja hier ganz schwierig. Ich hab mich mal mit meinen Cousinen und Cousins meines Mannes unterhalten und hab nachgefragt, wie ist das hier mit Aufklärung, lernt ihr das in der Schule, habt ihr Sexualkunde? – Ne! Über die Eltern nix. Also die lernen alles eigentlich mehr oder weniger durch ausprobieren oder über Freunde, denen erzählt mans halt.

Gunda: Ja, da ist halt schon noch die konservative Denkweise verankert, von der älteren Generation.

Carolin: Ja, konservativ und dann auch die Eltern, die sind zu malu, also zu schüchtern, zu zurückhaltend, um sich da mit ihren Kindern zusammenzusetzen und über Sex zu sprechen, weil es eben so ein Tabu-Thema ist.

Gunda: Ja, und sie wollen ja auch irgendwo die Kinder nicht animieren dazu, das ist auch ein Problem. Dann verschweigen sie es dann lieber. Das was ich dann aber immer wieder bemerke ist, man kann ja Jugendliche nicht davon abhalten, gewisse Dinge auszuprobieren, wenn sie Lust haben, dann werden sie einen Weg finden, ob es den Eltern gefällt oder nicht. Und das Problem hier ist dann, dass ziemlich viele ziemlich früh schwanger werden und dann auch gezwungenermaßen heiraten müssen, weil uneheliche Kinder sind wieder ein anderes Thema. Das ist eigentlich die Folge davon, wenns keine Aufklärung oder unzureichende Aufklärung gibt.

Carolin: Ja, weil natürlich auch die Eltern nie auf die Idee kommen würden, der Tochter Verhütungsmittel wie die Pille zu kaufen. Weil dann würde man ja sozusagen zustimmen, dass sie Sex hat und Sex hat man ja vor der Ehe nicht. Das ist wie so ein Teufelskreis. Also was das angeht, ist es wirklich 50, 100 Jahre hinterher im Vergleich.

Gunda: Ja, definitiv.

Und gibt’s denn auch ein paar Sachen, die dich zum Schmunzeln bringen im indonesischen Familienleben? Wo du immer mal wieder denkst, ach, das ist ja interessant oder: kenn ich so nicht, hab ich noch nie gehört! Gibt’s bestimmt auch ein paar Erlebnisse, oder?

Carolin: So Geschichten von der Oma meinst du?

Gunda: Genau, die dann immer über Generationen hinweg weitergereicht werden.

Carolin: Ohne den Wahrheitsgehalt zu prüfen? Ja, da gibt’s schon einiges.

Also erst vorgestern war es. Ich ess normalerweise zum Frühstück immer Obstsalat. Meine Babysitterin stand neben mir und meinte so: also, bei ihnen ist es ja schon so, dass man als stillende Mama kein frisches Obst isst, weil dann kriegt das Baby Durchfall. Das ist schon immer lustig.

Und wenn du dann fragst, wer sagt das? Dann heißt es immer: das hat meine Oma schon immer gesagt.

Das wurde damals schon immer erzählt, das ist so.

Das weiß man halt. Oder mit meiner Cousine, als wir noch in Tobelo drüben gewohnt haben. Ich mach immer gerne so Frucht-Smoothies, also Fruchtsäfte mit Eis und damals hab ich dann auch einen gemacht und hab sie dann gefragt, ob sie was möchte. Und dann hat sie gesagt: ne, sie hat ihre Tage, da darf sie kein Eis essen.

Also, wenn man dem allen glauben möchte, dann wäre mein Baby schon längst gestorben und ich wäre wahrscheinlich schon, keine Ahnung. Ich wär auch schon längst eingegangen.

Gunda: Ja, ich kenn noch so einen. Wenn man abends unterwegs ist im Regen oder noch mit dem Roller durch den Regen fährt, dann kommt man zu Hause an, da muss man auf jeden Fall duschen. Da ist auch egal, wie kalt einem schon ist, aber du musst dich kurz abduschen, denn ansonsten hast ne Erkältung oder bist krank oder wie auch immer. Ja, und wenn du es dann eben nicht machst und am nächsten Morgen ist dir ein bisschen kalt, dann heißt es; ja, weil du dich nicht abgeduscht hast, da sind sie dann ganz überzeugt davon, das liegt an der Dusche.

Carolin: Hast du halt masuk angin. Hast dir einen Zug geholt.

Gunda: Ja, genau masuk angin. Das hat man eh hier sehr oft.

Carolin: Ja ja, ist bei allem so. Die Frauen schlafen hier normalerweise komplett bekleidet mit langen Hosen und Shirts, weil ansonsten masuk angin. Wenn die wüsste, dass ich irgendwie nur mit Boxershort oder so schlafe – wenn überhaupt – ich wäre wahrscheinlich irgendwie dauerhaft krank unter deren Gesichtspunkten.

Gunda: Naja und dann ständig Eis und frisches Obst zum Frühstück, also Vorsicht!

Carolin: Ja, es ist ganz gefährlich! Und Geister gibt’s ja noch dazu auch überall. Das kommt ja noch dazu.

Gunda: Sowieso ja, da muss man immer aufpassen wo man hingeht und mit wem und wann und so.

Carolin: Ja, das ist auch etwas, was ich sehr lustig fand. Als ich noch schwanger war, sollte ich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr vor die Tür gehen. Was ja auch in Deutschland Gang und Gäbe ist, also dass du dich auch mit Freunden noch zum Abendessen triffst, ist ja ganz normal. Wenn du schwanger im Winter bist, darfst du nach fünf nicht mehr vor die Tür oder wie?

Und musst morgens warten, bis es hell wird.

Gunda: Und die Begründung war dann?

Carolin: Schwangere Frauen haben einen besonders süßen Duft. Und dann kommen die Geister und können unter Umständen was mit deinem Baby anstellen oder du kannst das Baby verlieren.

Gunda: Okay, interessant.

Dass schwangere Frauen anders riechen, das lass ich mir noch eingehen. Die Hormone spielen da ja auch ein bisschen verrückt Aber gut, der Rest…

Die Indonesier glauben halt auch an viel, das ist ein großer Unterschied. Abergläubisch und der traditionelle Glaube von früher, der Animismus, der viel mit dem Ahnenglaube verbunden ist – da muss man schon an diese Dinge glauben und dann spürt man sowas wahrscheinlich auch. Also das ist eine Sache von Glauben.

Carolin: Ja, wobei ich solchen Dinge auch näher stehe als das komplette Nicht-Glauben, was in Deutschland ziemlich vorherrscht. Ich bin überzeugt davon, dass es höhere Mächte gibt im Universum und Geister in welcher Form auch immer. Also nicht welche, die mit dem Bettlaken bekleidet im Wald stehen – ne!

Aber ich bin mir ganz sicher, dass es Spiritualitäten gibt, die wir mit unseren normalen Sinnen so nicht wahrnehmen können, wo man schon eine gewisse Sensibilität braucht. Da bin ich schon überzeugt davon, aber in Indonesien nimmt das manchmal Auswüchse an, wie zum Beispiel das mit der Schwangerschaft. Also man kann es auch übertreiben, sage ich jetzt mal.

Und vor allem es sind ja auch nicht alle Spiritualitäten böse.

Gunda: Ja, da gibt’s auch gute.

Verrückt!
Du hast gerade schon von deiner Schwangerschaft gesprochen. Hast du denn irgendwelche bestimmten Traditionen und Bräuche, die dich faszinieren oder die dir schon über den Weg gelaufen sind? Abgesehen von süßen Düften und Geistern und man darf nicht vor die Tür gehen nachts?

Carolin: Ja, wir hatten da was ganz Interessantes.

Ich wurde im Krankenhaus vor der Entbindung gefragt, ob ich die Plazenta mit nach Hause nehmen möchte. Da war ich erstmal völlig verwirrt. Das ist ja so ein absolutes No-Go in Deutschland, das ist aus hygienischen Gründen absolut verboten. Dann wurde ich aufgeklärt, dass das hier eben aus religiösen Gründen erlaubt ist. Wir haben das dann auch gemacht, da es in der Familie meines Mannes auch Tradition ist, dass du die Plazenta mitnimmst und die an einem besonderen Ort vergräbst. Weil die Plazenta wie der große Bruder deines Kindes ist, weil er dein Kind über 9 Monate hin ernährt hat. Deswegen bleibt auch dein neugeborenes Kind immer verbunden damit, mit dem Ort, wo du deine Plazenta vergräbst, hat das Kind immer eine besondere Beziehung dazu.

Deswegen kannst du sie auch nicht irgendwo vergraben oder beerdigen.

Es wird dann eine Zeremonie gemacht und ein besonderes Behältnis gekauft, das ist normalerweise ein schöner Tontopf mit einem Deckel. Und dann findet eine rituelle Waschung statt, es wird in Stoff eingeschlagen und zwar in einen, der dir persönlich gehört hat, wie zum Beispiel ein T-Shirt oder ein Kleid. Dann kommt es in den Tontopf und der wird beerdigt und wir haben da noch eine weiße Rose drauf gepflanzt. Und nach protestantischem Glauben stellst du für zwei Wochen eine Kerze an die Grabstätte. Die muss dann abends bis morgens brennen, damit der große Bruder nicht im Dunkeln schlafen muss.

Gunda: Wow, eigentlich eine sehr schöne Tradition.

Carolin: Ja und sehr bewegend auch. Ich als Mutter musste es beerdigen und ich hab geheult wie ein Schlosshund. Nach der Geburt spielen ja die Hormone verrückt und das war bei mir eh extrem, teilweise beim Wäsche zusammenlegen ohne Grund.

Aber es ist eigentlich eine sehr schöne Zeremonie. Wir haben das bei dem Haus gegraben, das wir gemietet hatten auf Bali, denn dort habe ich entbunden. In dem Garten haben wir das mit der Erlaubnis des Besitzers begraben und haben hinterher mit den Freunden, die wir dazu eingeladen haben, zusammengesessen und gegessen und getrunken. Haben eine kleine Feier gemacht.

Gunda: Super, und dann kann man da auch immer wieder zurückkehren an diesen Ort.

Carolin: Genau, also das Kind ist tatsächlich immer mit dem Ort verbunden. In dem Fall jetzt mein Sohn und so wird er immer wieder nach Bali zurückkehren.

Gunda: Gibt’s denn Dinge, die wir auch von den Indonesiern lernen können? Positive Dinge? Wir haben ja in den letzten Minuten viel über Herausforderungen und Schwierigkeiten gesprochen. Fallen dir denn positive Dinge ein, die wir auch lernen oder mitnehmen können für uns?

Carolin: Einiges eigentlich. Gerade wie vorhin angesprochen, Geduld kann man hier definitiv lernen. Muss man lernen eigentlich fast – man kann und darf und muss es lernen.

Und dass es auch nicht schlimm ist, wenn man mal ein Päuschen macht. Also das hat schon was für sich.

Dann sind Familienzusammenhalte hier extrem, viel besser als in Deutschland. Also in Deutschland ist eher so, wenn man eigene Familie hat, ein eigenes Kind, raus aus dem Haus und sich was selber suchen, man steht mehr oder weniger alleine da, krass gesagt. Und hier ist schon so, die Familie, die hilft, die Nachbarn, die helfen. Teilweise ist es so, wenn Nachbarn, Freunde oder Familie da sind, dass ich dann froh sein kann, wenn ich meinen Sohn mal selber auf den Arm nehmen darf. Oder auch wenn wir zu Freunden ins Haus kommen, dann nehmen normalerweise die Hausbesitzer mir gleich meinen Sohn aus dem Arm und ich ihn überhaupt nicht auf dem Arm hab, er mehr oder weniger rumgereicht wird.

Gunda: Solange du ihn wieder zurückbekommst, ganz wichtig!

Carolin: Ja ja, das schon immer. Zum Glück.

Die Familienzusammenhalte sind hier schon immer enger als in Deutschland. Auch wenn wir irgendwo hinkommen, wo mein Mann Familie hat, obwohl er die seit Jahren nicht gesehen hat oder teilweise noch nie gesehen hat, aber die wissen, dass das ihre Familie ist, dann bist du automatisch im Haus willkommen, wirst eingeladen, kannst dort schlafen und essen. Das ist völlig normal.

Und was hier noch viel mehr ist, ist diese Naturverbundenheit, was ich persönlich wahnsinnig toll finde. Dass du auch viel häufiger auf traditionelle Pflanzenmedizin zurückgreifst, wenn du krank bist. Und vor allem ältere Frauen können noch traditionelle Massagen und wissen, wie sie angewendet werden. Das überwiegt viel mehr und Leute geben eher zu denen, als zum Arzt.

Gunda: Stimmt. Das dürfen sie sich auch noch ruhig so beibehalten ne Weile. Wenn natürlich immer mehr die Moderne reinkommt, dann kann das auch langsam verschwinden. Ist ja meistens die ältere Generation, die das weiß und hoffentlich auch an die Kinder weitergibt. Dass das noch eine Weile so bleibt.

Carolin: Ja, ich hoffe es. Das wäre sehr schade, wenn das Wissen verloren geht.

Gunda: Wir sind eigentlich schon fast am Ende angekommen.

Vielleicht für den Abschluss: wie sehen denn eure Zukunftspläne aus für die nächsten Jahre?

Und: hast du ein paar Tipps für interessierte Investoren oder Auswanderer und Menschen, die sich damit auseinander setzen möchten, nach Indonesien auszuwandern?

Carolin: In Bezug auf Zukunftspläne: das hängt davon ab, wie sich das Projekt entwickelt. Das Resort Metita Beach & Dive Resort – ihr könnt auch gerne unsere Website besuchen und euch für den Newsletter eintragen. Wir sind auch auf Facebook und Instagram, einfach nach Metita Beach & Dive Resort suchen, dann findet ihr uns.

Wenn das ein Erfolg wird und diese unsicheren Zeiten hoffentlich bald wieder vorbei sind, dann haben wir schon die Idee, unser Portfolio weiter aufzubauen und evtl. noch andere Resorts an solchen schönen einsamen Plätzen in Indonesien zu eröffnen. Da stehen noch einige Abenteuer bevor.

Und an Tipps für Investoren: würde ich grundsätzlich sagen, gut recherchieren, was man hier machen will. Man hat als Ausländer nicht für alles die Möglichkeit, ein Betrieb oder ein Geschäft aufzumachen. Da muss man sich vorher erkundigen, es gibt die sogenannte Negative Investment List, wo man nachschauen kann, ob und was in welchem Maße erlaubt ist für Ausländer. Und dann gilt natürlich, wenn man ein Plätzchen und Projekt gefunden hat und das neu aufbauen will, muss man sehr gut recherchieren. Das kann ich wirklich jedem gut empfehlen. Vor allem nach dem, was wir vorhin schon angesprochen haben. Also dass immer wieder Leute auftauchen und behaupten, ihnen gehört was und einem Sachen verkaufen, die ihnen gar nicht gehören und dann verliert man ein Haufen Geld. Das ist sehr schade und das wünsche ich niemandem. Passiert aber leider zu oft. Deswegen: recherchieren!

Und für privat: da kommt es eigentlich generell drauf an, was man hier machen will. Man muss halt schauen, dass man für das, was man hier machen will, das richtige Visum organisiert. Da liegt es auch wieder an Recherche. Man kann nicht lange hier bleiben, wenn man nicht arbeitet und wenn man hier arbeitet, braucht man einen Arbeitsvertrag und ein Arbeitsvisum und eine Aufenthaltsgenehmigung. Sonst geht es nicht. Mit anderen Visa kann man nicht ewig hier bleiben. Ausnahme ist das Retirement Visa für Pensionäre, aber das ist eine andere Sparte.

Und sonst einfach herkommen und das Land genießen, es ist wunderschön, es ist toll, ich kann mir nicht vorstellen, wieder zurückzugehen. Es ist unglaublich toll, hier zu leben, es macht unglaublich Spaß. Die Leute sind wahnsinnig nett, extrem hilfsbereit, lachen, freuen sich für einen. Bei allen Anstrengungen, denen man hier begegnet, möchte ich es nicht rückgängig machen, auf keinen Fall.

Deswegen: jeder, der herkommen will, auf geht’s!

Gunda: Das kann ich unterschreiben, auf jeden Fall!

Und zum Abschluss meine zwei Fragen: was vermisst du aus Deutschland am meisten, wenn du Indonesien bist und umgekehrt?

Carolin: Aus Deutschland vermiss ich am meisten Brezeln und deutsches Brot.

Wobei das auch nicht gilt, für Leute, die auf Bali oder in Jakarta leben, weil da gibt’s ja alles, aber für unsereins hier, ist das schon was Besonderes.

Manchmal vermiss ich auch das Snowboarden gehen, aber das ist eher sekundär.

Meine Freunde dort, vermisse ich. Intensive Freundschaften, wie man sie aus Deutschland kennt, gibt’s hier nicht. Es ist etwas oberflächlich hier.

Und Videotelefonie ist nicht das Gleiche wie Zusammensitzen, ein Bierchen zusammen trinken, sich auch mal in Arm nehmen, wenns einem nicht so gut geht, sich knuddeln lassen können und mal weinen. Das ist schon was anderes. Zusammen auf ein Festl gehen. Gute Gespräch kann man auch über Telefon haben, aber alles andere – schwierig.

Ja, das fehlt mir schon oft.

Wenn ich in Deutschland bin, fehlt mir das gute Wetter, das Meer, die Natur, die Stressfreiheit, das Entspannte. Und in Deutschland herrscht viel zu oft diese Materialitätsdenke, einen guten Job und Geld verdienen und dann Auto, Wohnung, Hund, Katze, Maus, der neuste Fernseher, das neuste Telefon. Das ist hier alles nebensächlich.

Hier geht’s darum, was essen wir später zum Abendessen und dann gehen wir irgendwo fischen oder gehen auf den Markt oder in den Garten und ernten unser Gemüse selber. Ist noch sehr ursprünglich. Kann ruhig ne Weile so bleiben.

Und dann später noch mit Freunden zusammen setzen auf nen Kaffee oder zum Karten spielen. Oder einfach so. Das ist das, was hier zählt.

Gunda: Dann sind wir eigentlich schon beim Ende angekommen.

Caro, ich bedanke mich ganz arg, dass du mein allererster Gast warst. Es hat mich riesig gefreut.

Carolin: Es war mir eine Freude, schönes Gespräch.

Gunda: Super schön. Ich wünsch euch noch ganz viel Erfolg für euer Projekt und dann hören wir bald von dir, wenn alles soweit ist für die Eröffnung.

Carolin: Ja, ich schick dir dann eine Einladung.

Gunda: Ich komm auf jeden Fall vorbei.

Carolin: Dankeschön! Terima kasih banyak!

Gunda: Terima kasih balik!

Carolin: Ciao, sampai jumpa!

 

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Bis zum nächsten Mal, Sampai jumpa!

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