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Transkript

Herzlich Willkommen bei Coconut-Talk, deinem Podcast über das Leben in Indonesien. Mein Name ist Gunda und gemeinsam werden wir die zahlreichen Inseln Indonesiens entdecken. Mari – los gehts!

 

Hallo und herzlich Willkommen zu einer weiteren Folge vom Dschungel Tagebuch.

Heute gibt es eine etwas andere Folge von mir. Es wird ein bisschen privater. Ich möchte euch etwas über interkulturelle Beziehungen erzählen und dabei ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, wie man so schön sagt.

 

Mein Mann ist Indonesier. Wir sind jetzt schon seit fast zwei Jahren verheiratet und seit 5 Jahren zusammen. Natürlich läuft es nicht immer harmonisch. Ich denke, dass ist bei jeder Beziehung so. Aber nach all den Jahren oder eigentlich schon ziemlich schnell, fallen einem Sachen auf, die speziell mit der Kultur zusammenhängen. Auch wenn Mann und Frau immer mal wieder Schwierigkeiten haben, sich zu verständigen und zu kommunizieren, ist es bei Paaren, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen, nochmal ein wenig anders.

 

Ich denke, wenn man einen Partner aus einem europäischen Land hat, dann ist es nochmal was anderes, weil man ähnlich aufwächst, ähnliche Vorstellungen und Lebensweisen hat. Aber wenn dann Länder wie Deutschland und Indonesien aufeinander treffen, wo dort doch einiges ganz anders abläuft als bei uns, dann kann es sehr, sehr interessant werden.

 

Darauf möchte ich heute genauer eingehen. Ich hatte immer mal wieder Anfragen, wie es so ist, wenn man zusammen ist. Gerade auch von Leuten, die darüber nachdenken zu heiraten. Es ist ganz interessant, Erfahrungen von jemand anderem zu hören, wenn man das Ganze sattelfest machen möchte.

 

Das erste. was mir einfällt, wenn es um das Thema Heiraten geht, ist das Thema Familie allgemein in Indonesien. In Deutschland hat die Familie einen hohen Stellenwert, aber es ist noch einmal was anderes hier in Indonesien. Die Familie wird in Entscheidungsprozesse viel mehr involviert. Im Gegenzug bietet die Familie das soziale und finanzielle Auffangnetz, wenn es mal Schwierigkeiten geben sollte.

 

In Indonesien gibt es keine Altersvorsorge.

Die meisten verlassen sich auf ihre Kinder, dass sie im Alter versorgt werden. Insofern nimmt die Familie in Indonesien einen sehr hohen Stellenwert ein. Sie wird in viele Ereignisse und Entscheidungen mit einbezogen, wo wir sagen würden, das ist ja eigentlich eine Entscheidung, die wir unter uns Partnern treffen sollten. In Indonesien vermischt sich das viel mehr. Dadurch kann es sein, dass die indonesischen Familien einen recht großen Einfluss auf ihre erwachsenen Kinder ausüben. Sie haben in vielen Dingen Mitspracherecht. Wir in Deutschland würden das als unsere eigene Entscheidung ansehen, aber hier wird es sehr familiär entschieden.

 

Zum Beispiel die Partnerwahl.

Es gibt tatsächlich noch ganz viele Familien in Indonesien, die für ihre Kinder die Partner auswählen und bereits vor vielen Jahren Absprachen darüber getroffen haben, dass später die Kinder heiraten werden. Das ist für uns Deutsche sehr traditionell und ungewöhnlich. Aber es kommt hier häufiger vor als man denkt. Genauso kann es sein, dass Partner abgelehnt oder nicht akzeptiert werden, insbesondere in sehr traditionelle und konventionellen Familien. Es kann dann auch passieren, dass die Beziehungen daran kaputt gehen, weil die Familien einen sehr großen Einfluss darauf ausüben.

 

Ein weiteres Thema ist die Religion.

Hier ist es genauso. Je nachdem, wie konservativ und traditionell die Familie ist, hat dies einen wichtigen Stellenwert für sie. Wenn der Partner einen anderen religiösen Hintergrund hat, kann das ein erstes Hindernis sein, über das man springen muss. Eng damit verknüpft sind die Traditionen, welche fest in der Familie verankert sind. Indonesier haben ganz viele verschiedene Traditionen. Die Hinduisten auf Bali haben viele religiöse Zeremonien und Festtage. Es wird erwartet, dass man dafür offen ist und diese auch mitmacht. Ebenso wie selbstverständlich auch die Hochzeit dementsprechend gefeiert wird. Auch da kommt es entscheidend darauf an, in welcher Gegend bzw. in welcher ethnischen Gruppe man heiratet. So kann es passieren, dass zu einer Hochzeit das ganze Dorf mit mehreren hundert Personen eingeladen ist. Als Brautpaar hat man dann sehr viel zu tun, weil das für die Familie so wichtig ist.

 

Eine weitere wichtige Frage bei allen gemischten Paaren, ist die Frage, wo möchten wir leben – in deinem oder in meinem Land? Jedes Land hat seine Vor- und Nachteile. Haben die Partner Lust, dort auch dauerhaft hinzuziehen? Wie wird es, wenn man Kinder bekommt?

Ich kenne viele gemischte Paare, die häufig umgezogen sind oder auch wieder zurückgekehrt sind. Wenn dann Kinder da sind, ist es nicht mehr so leicht, schnell den Standort zu wechseln. Das muss vorher gut überlegt sein. Auch sind Familie und Freunde eines Partners, immer weit weg. Kurz zum Kaffee vorbeikommen geht dann nicht.

 

Uns war von vornherein klar, dass wir in Indonesien leben möchten. Ich bin schon länger aus Deutschland weg und möchte auch dort nicht mehr dauerhaft leben. Mein Mann ist generell offen, eine Zeitlang in Deutschland zu leben aber nicht auf Dauer. Für uns beide reicht es, wenn wir immer mal wieder zum Urlaub nach Deutschland fliegen.

Was ich immer wieder feststelle, speziell auf unserer Insel, wo es nicht viele Touristen gibt, ist, dass wir als Paar überall auffallen. Die Leute denken oft, er ist mein Guide und ich bin der Gast. Selbst dann, wenn wir offensichtlich als Paar unterwegs sind, wir uns umarmen oder Händchen halten. Die Leute fragen ihn dann, wo kommt dein Gast her? Ich glaube, dass ist auch gerade für ihn nicht immer so schön, dass die Leute kaum glauben können, dass wir ein Paar sind. Leider geht das oftmals in die Richtung, „wie hat er es geschafft, eine Ausländerin zu haben?“. Andersrum wird das hier eher akzeptiert, wenn der Mann der Ausländer ist und er sich eine indonesische Frau sucht. Ich glaube, in dieser Konstellation werden die Leute weniger schräg angeschaut als wie das bei uns der Fall ist. Ich weiß das auch von Freundinnen, die indonesische Männer haben, dass das tatsächlich so ist. Die Leute gehen immer davon aus, dass kann ja nicht die Ehefrau sein. Was sehr schade ist, denn es nagt ja auch am Selbstbewusstsein der Männer, wenn sie immer wieder so etwas zu hören bekommen. Leider geht es in die Richtung, sie hätten uns nicht verdient. Das ist natürlich vollkommener Quatsch.

Beim Thema Geld gehen auch immer alle davon aus, dass wir Bules, also wir Ausländer immer ganz viel davon haben und dafür auch nicht wirklich viel tun. Ich weiß zum Teil woher das kommt, aber es wird manchmal schon ziemlich extrem. Als mein Mann nach Arbeit gesucht hat, bekam er als Antwort: warum willst du arbeiten? Du hast doch eine Bule Frau, du musst doch eigentlich überhaupt nichts mehr machen. Ich glaube in Deutschland ist es anders. Dort fällt man als Indonesier nicht so auf. In Deutschland ist man mehr Ausländer gewöhnt.

 

Eine weitere Herausforderung sind für mich jedes Mal die Behördengänge und allgemein die Erledigung administrativer Angelegenheiten. Das gilt speziell für Dinge, die mit der Beziehung zu tun haben. Das fängt an bei der Heirat und der Eheschließung. Die vielen Dokumente, die man beschaffen muss, müssen übersetzt und legalisiert werden. Man muss schauen, dass sie in dem anderen Land anerkannt werden. Dabei gibt es manchmal Regelungen, die in den Ländern nicht übereinstimmen oder sich überschneiden. Es ist ziemlich kompliziert, bis dann irgendwann die Eheschließung durch ist. Bei uns hat es recht lange gedauert. Das ist aber noch nicht alles. Dann geht es weiter mit dem Visum. Abgesehen davon, dass man eine Aufenthaltserlaubnis für das Land, in dem man leben möchte braucht, muss man allein schon für Familienbesuche immer schauen, dass das entsprechende Visum da ist, welches immer wieder neu beantragt werden muss. In Indonesien ist das komplizierter als in Deutschland, wo vieles einfach klarer und detaillierter ist. In Deutschland bekommt man eine verlässliche Auskunft. Hier in Indonesien ist es manchmal noch recht chaotisch. Man muss sich viele Infos selber zusammensuchen. Oft gibt es Ungereimtheiten oder es wird in jeder Region anders gemacht. Das ist definitiv etwas, was sehr viel Zeit und Nerven kostet. Das wird noch mehr, wenn Kinder da sind. Da muss man entscheiden, welche Staatsbürgerschaft sie annehmen sollen und vorher bedenken, welche Folgen hat das. Das ist hier bei gemischten Paaren alles nicht so leicht wie in der EU.

 

Ein großes Thema innerhalb der Beziehung ist die Kommunikation. Das liegt zum einen an der unterschiedlichen Sprache aber auch an der Art und Weise, wie kommuniziert wird. Gerade am Anfang sind wir oft darüber gestolpert. Das hat zu vielen Missverständnissen und Diskussionen geführt. Irgendwann haben wir uns in der Mitte eingependelt. Mittlerweile kennt man ja auch den andern, man weiß ganz genau, wie ist der drauf und wie er was meint.

Die Indonesier kommunizieren komplett anders als die Deutschen. Wir lernen, dass wir direkt sein sollen, wenn uns etwas nicht passt. Also nichts runterschlucken oder so tun als wäre nichts. Anders bei den Indonesiern. Sie sind sehr zurückhaltend und achten darauf, den anderen nicht vor den Kopf zu stoßen. Sie schlucken vieles runter oder schweigen es zu Tode, bis es sich irgendwie selber erledigt. Häufig sind sie überrascht, wenn wir so direkt sprechen oder direkt reagieren. Weil ich ein sehr impulsiver Mensch bin, ist das teilweise sehr lustig. Gerade am Anfang habe ich oft viel geredet, während mein Mann einfach nur still war. Ich musste erstmal lernen, damit umzugehen. Mittlerweile haben wir uns wie gesagt gut eingependelt. Jetzt ist es nicht mehr ganz so einseitig, weil wir wissen, wie wir ticken und was wichtig ist für den anderen.

 

Der zweite Punkt ist die Sprache. Man spricht unterschiedliche Muttersprachen. Wenigstens einer spricht immer eine Fremdsprache. Entweder beide sprechen Englisch oder einer spricht die Sprache des anderen. Somit sind Missverständnisse vorprogrammiert. Es gibt viele Wörter, die man nicht eins zu eins übersetzen kann. Manchmal kann man sie übersetzen aber dann haben sie in der anderen Sprache eine ganz andere Gewichtung – die sind negativer oder positiver als in unserer eigenen Sprache.

Bei uns zu Hause sprechen wir Indonesisch. Das habe ich ziemlich schnell gelernt. Anfangs passierte es öfters, dass ich Sachen gesagt habe, wie ich sie im deutschen sagen würde und auf einmal ging das Gespräch in eine ganz andere Richtung. Ich wusste dann plötzlich gar nicht mehr, was jetzt eigentlich los ist. Bis wir herausgefunden haben, dass ich ein deutsches Wort übersetzt habe und wenn man das indonesische Wort nimmt, hat es einen ganz negativen Klang und sorgt eher für Unmut. Das dauert, bis ich darauf gekommen bin. Erstmal diskutiert man und irgendwann merkt man, das wurde ganz anderes interpretiert als wie ich es gemeint hatte. Bis dahin vergeht Zeit. Wir haben daraus gelernt. Mittlerweile wissen wir das und haben daraus gelernt. Wichtig ist viel nachzufragen und nachzuhaken. Es hilft sich zu vergewissern, ob der andere es wirklich so verstanden hat, wie ich es meine.

Indonesisch ist eine einfache Sprache und sehr leicht zu lernen, weil es kaum Grammatik gibt und nur sehr wenige Wörter hat. Jedoch ist es schwierig etwas zu erklären. denn oft fehlen einfach die Wörter. Anders als im Deutschen, wo wir für einen Begriff mitunter viele Worte haben, die aber auch alle eine andere Gewichtung haben. Manchmal suche ich ein Wort auf Indonesisch und der Übersetzer gibt mir immer wieder ein Wort, welches ich aber (auf Deutsch) gar nicht meine. Das ist für mich dann sehr schwer, mich richtig auszudrücken. Für mich ist es ein Wunder, wie sich die Indonesier untereinander verständigen können. Damit meine ich nicht die einfache Verständigung, sondern die Nuancen und Feinheiten, etwas im Detail zu erklären. Gerade auch wenn es um Gefühle geht, ist es schwierig, die richtigen Worte zu finden. Wohingegen wir im Englischen und gerade auch im Deutschen, wo wir noch viel mehr Wörter haben, das viel besser ausdrücken könnten als mit den indonesischen Wörtern. Das ist meine Erfahrung.

Abschließend möchte ich nochmal sagen, dass man unheimlich viel Geduld braucht und auch die Bereitschaft, genau zuzuhören. Das ist definitiv anders in einer interkulturelle Beziehung. Es braucht viel Toleranz, weil die Unterschiede so groß sind und die Missverständnisse vorprogrammiert. Man muss den anderen mit seiner Denk- und Lebensweise respektieren und sich irgendwo in der Mitte treffen. Ich denke, jedes Paar wird für sich selber seine Balance finden. Auf jeden Fall ist es ein lebenslanges Lernen. Und es ist spannend. Das ist das Gute daran. Es wird nie langweilig. Beispielsweise hat jeder unterschiedliche Sachen in der Kindheit erlebt, die für uns total normal sind. Das merkt man aber erst nach einer Weile, nicht gleich im ersten Jahr, sondern erst, wenn man dann miteinander lebt. Das ist interessant und spannend und es wird immer spannend bleiben. Es wird wirklich nicht langweilig. Das ist eine positive Sache an so einer Beziehung. Ich denke, egal wie schwierig es ist, man sollte immer das Positive daraus ziehen und die positiven Seiten daraus mitnehmen.

Ich hoffe, dass ich für diejenigen einen kleinen Einblick geben konnte, die es interessiert und die demnächst vorhaben, zu heiraten. Ich freue mich natürlich jederzeit über Austausch. Vielleicht hat sich der ein oder andere wiedergefunden in seiner Beziehung. Dann schreibt mir doch einfach: hallo@coconut-talk.com

 

Abschließend noch einmal zum Thema Heiraten. Wenn man in Indonesien heiraten möchte, muss man der gleichen Religion angehören. Das ist vom Gesetz so vorgeschrieben. Meistens ist es so, dass derjenige konvertiert, der nicht so gläubig ist. Wie ich ja bereits gesagt hatte, für die indonesischen Familien ist es meist wichtiger.

Ich habe einen kleinen Beitrag zu unserer eigenen Hochzeit geschrieben. Dort steht auch, was es generell zu beachten gibt und welche Dokumente man braucht. Den Link dazu findet ihr direkt unter dieser Folge.

In unserem Auswander-Guide „Leben in Indonesien“, gibt es ein ganzes Kapitel, zum Thema Heiraten in Indonesien. Dort steht detailliert alles zu Religion, Dokumenten, Zuständigkeit der Behörden etc. Der Guide lohnt sich auf jeden Fall für alle die, die auch in Indonesien leben möchten. Dort werden auch Themen wie Visum, Krankenversicherung, Hausbau, Arbeiten besprochen. Den Link findest du ganz unten in den Shownotes.

Das war es für heute von mir. Diesmal ein etwas privateres Thema. Falls du jemanden kennst, dem die Folge gefallen würde oder für den sie hilfreich wäre, dann darfst du den podcast gerne teilen. Gerne kannst du mir eine kleine Bewertung auf Spotify oder iTunes hinterlassen, wenn dir der podcast gefallen hat. Ich bedanke mich fürs zuhören. Bis zum nächsten Mal.

 

Wenn du auch nach Indonesien auswandern möchtest, um dir deinen Lebenstraum zu erfüllen, dann habe ich jetzt etwas ganz Besonderes für dich. Ich habe meine Erfahrungen und mein Wissen in einem kompakten Paket zusammengefasst, damit auch du bestmöglich davon profitieren kannst. In unserem Auswander-Guide „Leben in Indonesien“ findest du alle relevanten Infos, praktische Checklisten, hilfreiche Links, Dokumente zum downloaden und Zutritt zu unserer exklusiven WhatsApp-Gruppe. Den Link zum Guide findest du in den Shownotes dieser Folge. Wenn du außerdem schon immer mal BAHASA INDONESIA lernen wolltest, kann ich dir den Indojunkie Crash Kurs empfehlen. Mit dem Gutscheincode COCONUT10 bekommst du 10% Rabatt auf den Kurs und dieser Podcast eine kleine Unterstützung. Auf coconut-talk.com findest du alle Folgen auch in schriftlicher Form. Alle Links findest du außerdem in den Shownotes dieser Folge.

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