Folge 4: Umwelt, Bildung und Leben in Papua mit Jonas Müller aus Raja Ampat

Transkript

Hallo und herzlich willkommen bei Coconut-Talk, deinem Podcast über das Leben in Indonesien!

Ich bin deine Gastgeberin Gunda und gemeinsam mit meinen Gästen werden wir die zahlreichen Inseln Indonesiens entdecken.

Freu dich auf spannende, kuriose und manchmal auch kritische Themen.

Viel Spaß beim Zuhören und beim Erkunden des größten Inselreichs der Welt!

Herzlich willkommen, selamat datang zu unserer heutigen Folge von Coconut-Talk.

Ich freue mich ganz arg, dass es heute geklappt hat mit meinem Gast. Es ist ein ganz besonderer Gast, der auch schwer beschäftigt ist. Wahrscheinlich wird man das im Hintergrund ein bisschen hören. Wir haben ein paar Anläufe gebraucht, bis wir uns jetzt endlich zusammenschließen konnten.

Mein Gast heute ist der Jonas aus dem Kanton Glarus, das ist in der Ostschweiz. Jonas lebt seit sechs Jahren in Raja Ampat, das ist ein traumhaftes Paradies in West-Papua, und dort hat Jonas Child Aid Papua gegründet. Da werden wir gleich mehr dazu erfahren.

Heute geht es vor allem um die Themen Natur und Umweltschutz, das sind ganz wichtige Themen, speziell in Papua, aber auch in ganz Indonesien. Und außerdem werden wir erfahren, wie es ist, auf einer kleinen Insel im schönen Paradies zu leben und was es da für Herausforderungen gibt.

Ich freue mich ganz arg auf das Gespräch heute. Lieber Jonas, schön, dass du da bist!

Vielen herzlichen Dank und hallo!

Du bist übrigens der erste männliche Gast in meiner Runde, das ist eine große Ehre. Und wenn ich so meine Liste anschaue für die nächsten Gäste, das sieht ziemlich weiblich aus, ich glaube, das wird noch eine Weile so bleiben als einziger männlicher Gast.

Magst Du vielleicht erst mal erzählen, was du da eigentlich genau machst und was es mit Child Aid Papua auf sich hat.

Ja, sehr gerne! Erstmal grüß Gott allerseits auch von meiner Seite, wie gesagt, mein Name ist Jonas und ich bin 31 und wohne seit sechs Jahren in Raja Ampat. Hier habe ich zusammen mit meinem Team hier und mit meinem Team in der Schweiz Child Aid Papua gegründet. Der Verein Child Aid Papua setzt sich für Kinder und Jugendliche in den abgelegenen Gebieten von Raja Ampat ein. Und zwar in der Bildung, im Umweltschutz, aber auch im Gesundheitswesen, diese drei Hauptteile.

Wir haben hier eine Schule gründen können, natürlich alles nach indonesischen Vorschriften, wo wir Bildung ermöglichen für Kinder, die in den abgelegenen Gebieten leben. Bildung hier, wir kommen wahrscheinlich später nochmal drauf zurück, ist ein sehr großes Problem in dieser Gegend und es ist sehr schwierig für Kinder und Jugendliche, an gute Bildung heranzukommen. Wir möchten dort ansetzen, weil wir glauben, dass schlussendlich Umweltschutz nur erreicht werden kann mit Bildung. Das geht eben Hand in Hand und da braucht es beides. Das heißt, sie haben bei uns verschiedene Stufen. Das beginnt ab der 4. Klasse Grundschule, die kommen bei uns dreimal in der Woche zum Unterricht. Dann haben wir die Junior High School, das sind Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren, die für sämtliche Themen unterrichtet werden. Und danach geht’s dann weiter in die Senior High School, im Alter von 15 bis 18 oder 19, wo sie dann bei uns den Abschluss u. a. in Meereswissenschaften und Umweltschutz machen können. Als allgemeine Übersicht, wir machen verschiedene Umweltthemen und Umweltprojekte mit unseren Schülerinnen und Schülern zusammen, wir sind aber auch sehr stark tätig im Bereich Gesundheitswesen, was eben auch erstaunlich mangelt in dieser Region.

Super, klingt total spannend und interessant.

Wie kam es denn dazu, dass du ausgerechnet in Papua gelandet bist und jetzt das machst, was du da machst? Weil das macht man ja auch nicht einfach mal so.

Ja, das ist richtig. Ich habe in der Schweiz Betriebswirtschaft studiert und dann auch auf diesem Gebiet mehrere Jahre gearbeitet und hatte dann aber irgendwann das Gefühl, dass ich was komplett anderes machen möchte. Ich habe dann zuerst durch eine andere Organisation von diesem Gebiet hier erfahren und bin in diesem Gebiet unterwegs gewesen. Während dieser Zeit war ich wahnsinnige inspiriert, einerseits von der unglaublichen Schönheit der Natur, der unglaublichen Biodiversität, die es in diesem Gebiet gibt – es ist ja der Ort mit der höchsten Meeres-Biodiversität auf der ganzen Welt – und gleichzeitig habe ich aber die Problemfelder während dieser Zeit gesehen. Die Ausbildung ist sozusagen gleich null. Dabei kommen wahnsinnig große Herausforderungen auf dieses Gebiet zu, vor allem eben auch was Tourismus oder Over-Tourismus betrifft, Das hat mich einfach nicht losgelassen. Ich bin dann zurück in die Schweiz gegangen und es hat mich einfach nicht losgelassen, dieses Thema. In der Schweiz habe ich dann den Verein Child Aid Papua gegründet, zusammen mit meinem Vater und meinem besten Freund. Ich bin dann zurück gereist in das Gebiet Raja Ampat und habe begonnen aufgrund der Nachfrage in diesem Dorf, wo wir heute auch noch sind, nur mal Englisch zu unterrichten. Das hat alles ganz klein begonnen, nur in einer kleinen Hütte, gebaut aus Blättern und Holz. Das Dach war aus Blättern, die Wände waren aus Blättern, das Ganze war 6 mal 5 Meter groß. Von dort an ist das dann schneller und schneller gewachsen, bist wir jetzt heute auch ein anständiges oder mehrere anständige Gebäude haben, eine gute Infrastruktur haben, denn wir sind auch eine national anerkannte Schule in Indonesien.

Du hattest mir vorab schon erzählt, dass ihr expandiert habt. Ihr habt mittlerweile auch verschiedene Lehrer mit angestellt. Das heißt also aus einem Ein-Mann-Projekt ist ja schon mittlerweile ein ganzes Unternehmen geworden, oder?

Ja, das hat sich auf jeden Fall so entwickelt. Wie du schon gesagt hast, es war mal ein Ein-Mann-Projekt, das ist es jetzt heute zum Glück nicht mehr, das wäre auch überhaupt nicht mehr möglich! Wir haben mittlerweile vier Lehrkräfte, die bei uns tätig sind. Wir haben aber auch weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die regelmäßig bei uns tätig sind, vor allem auch die Menschen hier im Dorf sind mit involviert, z.B. bei Abfall-Projekten. Wir machen das mit den Einheimischen zusammen und es ist sehr wichtig, dass das Know-how in ihrem Dorf aufgebaut werden kann, auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Wie du gesagt hast, das ist in den letzten Jahren stark gewachsen, die Nachfrage nach unserem Bildungsprogramm in dieser Region und wir mussten zurzeit leider sogar noch Schülerinnen und Schüler ablehnen, weil wir im Moment im Bereich der Nachfrage nicht gerecht werden können. Wir arbeiten aber in dieser Richtung, wir sind gerade jetzt auch dabei, wieder ein weiteres Schulgebäude aufzustellen. Und wenn sich das weiter so entwickeln wird, dann werden wir natürlich probieren, der Nachfrage auch gerecht zu werden. Im selben Schritt ist uns aber extrem wichtig, dass Qualität immer vor Quantität geht. Das ist viel wichtiger, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern eine gute Bildung bieten können und auch finanzielle Mittel haben, damit diese Schülerinnen Schülern Internships bzw. Praktika machen können an anderen Orten. Das braucht eben alles Geld und es ist sehr wichtig, dass wir das unseren Schülern bieten können. Darum eben Qualität vor Quantität.

Super, du hast eben schon den finanziellen Aspekt angesprochen. Finanziert wird das alles dann durch Spenden oder wie genau läuft das bei euch?

Genau, also wir haben den Verein Child Aid Papua in der Schweiz und dort kann man Mitglied werden und auch einen jährlichen Beitrag selbst definieren, da gibt es keine Vorschriften. Jeder kann geben, was er natürlich möchte. Und unsere Mitglieder bilden das Fundament von unserem Verein. Wir haben zurzeit rund 200 Mitglieder.

Wir haben dann natürlich auch Menschen, die einfach spontan einmal eine Spende geben, aber 95 % unseres Geldes sind von Privatpersonen. Wir haben auch kleinere Beträge und vielleicht mal von einer Firma aus der Schweiz oder von einer Stiftung aus der Schweiz etwas, aber wie gesagt, es sind 90 % bis 95 % im Privatspenden. Hier in Indonesien nehmen wir kein Geld an, z.B. gerade von der Regierung, das wurde uns schon angeboten, aber im Sinne der Unabhängigkeit, was für uns extrem wichtig ist, dass wir diese nicht verlieren, nehmen wir solche Gelder nicht an. Wir sind komplett über Privatspenden organisiert und finanziert.

Super und es scheint erfolgreich zu sein, wenn es so gut läuft, eigentlich, oder?

Bis jetzt ist es ein gutes Erfolgsmodell. Es hat sich zwar auch aufgrund der Krise in den letzten zwei Jahren rund um Corona ein bissl verändert, aber wir haben nach wie vor einen sehr treuen Mitglieder-Stamm, der uns stützt. Wir sind sehr dankbar für unsere Mitglieder, die sehr treu sind und uns auch so die Stange halten. Auf jeden Fall sind wir auch immer froh, wenn wir wieder neue Mitglieder gewinnen dürfen.

Ja, ich werde dazu auch die Website und die Infos verlinken unter der Episode, falls es da Interessenten gibt.

Jetzt ein anderes Thema, Papua verbinden ja viele in erster Linie mit Papua Neuguinea, der großen Insel Neuguinea eigentlich. Wenige wissen, also nicht allzu viele jedenfalls in meinem Bekanntenkreis, dass ein Teil davon auch Teil Indonesiens ist. Der östliche Teil bildet den Staat Papua-Neuguinea und der westliche gehört zu Indonesien. Der ist aufgeteilt in die Provinzen Papua und West Papua.

Wie unterscheidet sich denn die Region vom restlichen Indonesien? Gibt’s da irgendwelche Besonderheiten, irgendwelche ja außergewöhnlichen Sachen, wie empfindest du das?

Das ist eine sehr gute Frage. Viele Leute verstehen das nicht immer so ganz einzuordnen, dieses Gebiet und die Menschen, die hier leben. Sie gehören ja der Ethnie Melanesien an. Also sie sind keine Asiaten, das kann man diesen Menschen auch sehr gut ansehen. Sie sehen nicht aus wie Asiaten, wenn ich das so sagen darf, sondern man kann sich das gut vorstellen wie z.B. die Aborigines von Australien. Sie haben eigentlich relativ, wie sagt man, feste Gesichtszüge, dunklere Haut auch als die Asiaten und einen starken Körperbau. Sie unterscheiden sich auf jeden Fall schon mal rein vom äußerlichen. Sie haben auch das typische gekrauste Haar. Ich denke, sie unterscheiden sich schon vom äußerlichen, aber auch wie sie funktionieren, wie sie denken. Es sind sehr emotionale Menschen, die Melanesier. Das natürlich aber auch auf beiden Seiten, extrem emotional. Im Positiven können sie sich wahnsinnig freuen über irgendwelchen Kleinigkeiten, auch im Erwachsenenalter. Das finde ich sehr schön hier, wie sich erwachsene Menschen freuen können, wie Kinder. Das fehlt mir manchmal, wenn ich zurückgehe in die Schweiz, diese Freude zu sehen in den erwachsenen Männern oder auch in den erwachsenen Frauen. Das haben sie hier extrem, aber natürlich gibt es das auch auf der anderen Seite. Im negativen Sinne können sie auch sehr emotional sein und ich glaube, das ist schon mal was, das sie doch unterscheidet vom westlichen Indonesien. Die indonesische Kultur ist eine eher zurückhaltende Kultur. Das ist in Papua auf jeden Fall anders. Die Menschen sind hier auch größtenteils christlich, das unterscheidet sich natürlich auch vom Rest von Indonesien.

Die Menschen hier leben auch ganz stark in einem Ahnenglauben, also sie sind eigentlich dauernd umgeben von Geistern und Spirits, obwohl sie ja christlich sind und auch zur Kirche gehen. Das vermischt sich ganz stark mit ihrem Glauben von früher her. Das ist schon extrem faszinierend zu sehen, wie tief man in so einem Glauben drin leben kann. Für Schweizer und auch Mitteleuropäer ist es nicht mehr so Gang und Gäbe, dass man mit dem so in Berührung kommt. Das ist einerseits sehr interessant zu sehen und da muss ich auch ganz viel lernen.

Natürlich muss das auch respektiert werden, das ist ganz wichtig und gleichzeitig glaube ich aber, darf man auch mal eine Frage stellen. Man muss ja nicht alles so hinnehmen und ich probiere dann manchmal, einfach zu fragen und ein bisschen mehr rauszufinden, was sie dann zu gewissen Themen glauben. Auch z.B. mit Krankheiten oder warum jemand stirbt, es gibt nie einen natürlichen rein medizinischen Grund, es gibt immer einen spirituellen Grund dazu. Das ist eine große Herausforderung, auch bei uns in der Arbeit. Aber das macht auch den Charakter in Papua aus.

Super interessant. Das heißt, man kann sich einiges auch abschauen, denke ich. Auch wie du gesagt hattest, wie sie sich im Erwachsenenalter über kleine Dinge noch freuen.

Da gibt’s interessante Dinge, die man immer irgendwo auch lernen kann von solchen Menschen, auch wenn es im ersten Moment erstmal ganz weit weg aussieht. Aber es gibt überall auch Positives.

Ja, also ich kann sicher so viel lernen von unseren Schülerinnen und Schülern, wie sie auch von uns lernen dürfen. Aber es gibt schon sehr viel vom Leben her auch, was sich da unterscheidet. Die Menschen hier leben in abgelegenen Dörfern, das sind vielleicht 200 bis 300 Menschen, die in so einem Dorf leben. Die meisten Dörfer sind nach wie vor noch ohne Elektrizität, auch ohne fließendes Wasser. Wenn sie Glück haben und wenn es genug regnet, dann gibt es solche Wasserlöcher, von denen sie das Wasser holen können. Das Regenwasser ist also sehr wichtig. Und von der Infrastruktur ist das auch was ganz anderes als im Westen von Indonesien. Wie die Menschen hier zusammen leben, das ist eher wie eine Kommune. Das heißt, die Kinder hier im Dorf z.B. haben zwar eigentlich ein Haus, aber das wird nicht verwendet wie bei uns zu Hause ein Haus. Man geht nicht nach Hause zum Schlafen, man geht nicht zu Hause zum Essen, sondern man schläft dort, wo man isst, man isst auch dort, wo man sich gerade befindet.

Auch die Eltern der Kindern, die wissen eigentlich selten, wo ihre Kinder sind. Das kann manchmal auch so weit gehen, dass es Tage oder Wochen dauert, bis die Kinder mal ihre Eltern wiedersehen und das bereits in sehr jungem Alter. Da sprechen wir dann von 8, 9, 10 jährigen Kindern. Vielleicht gehen sie auch mit einem Boot einfach auf eine andere Insel und kommen dann nach einer Woche wieder zurück, das ist ganz normal. Die werden dann eigentlich auch gar nicht vermisst.

Man kann sich ja das bei uns zu Hause vorstellen, wenn ein 10 jähriges Kind am Abend um 8 Uhr nicht zu Hause ist, was da los ist und hier ist das halt eben anders. Nach einer Woche wird dann vielleicht mal gefragt, wo eigentlich das Kind ist. Das unterscheidet sich nicht nur für uns Europäer, sondern auch zu West-Indonesien.

Wenn ich mit unseren Mitarbeitern hier spreche, die meisten kommen ja aus Java, dann ist das für sie genauso neu, sowas zu sehen, wie auch für mich. Das ist schon ein großer Unterschied zwischen Ost- und West-Indonesien.

Auch gibt es z.B. kein Privateigentum, eigentlich gehört alles jedem. Das ist schon eine große Herausforderung, vor allem bei uns oder auch, wie ich erzogen wurde. Man nimmt nicht einfach irgendwas, was einem nicht gehört. Aber hier ist nicht so, es gibt kein Privateigentum, nicht mal die Kleider. Die werden die ganze Zeit unter den Dorfbewohnern getauscht. Da hat immer mal wieder jemand was von einem anderen an. Das ist schon sehr speziell, da musste ich ganz viel lernen. Eben grundsätzliche Sachen, wo wir einfach so erzogen wurden und dachten, so ist es überall, ja, so ist es aber nicht überall. Wenn man 25 Jahre so gelebt hat und aufgewachsen ist, dann ist das schon gar nicht so einfach an so einem Ort und sich mit solchen Bedingungen und Gegebenheiten anzupassen. Aber wie gesagt, ich kann jeden Tag von den Kindern hier so viel lernen, wie sie hoffentlich auch von mir.

Das klingt total interessant. Du hast es gerade schon gesagt, die Herausforderungen, die damit einhergehen, wie kann man sich das dann vorstellen, das Leben da in diesem Dorf? Tauschst du auch manchmal deine Kleidung aus? Ich denke jetzt mal nicht, aber inwiefern betrifft dich das denn direkt oder gibt’s da auch Situationen, die dich an deine Grenzen bringen oder wo du sagst, es ist schwierig für deine Arbeit? Wie sieht’s denn da aus?

Ja, gibt es natürlich schon, aber zuerst, um deine Frage zu beantworten: nein, ich schütze meine Kleider so gut es geht, aber es ist schon auch passiert, dass ich irgendwann mal in einem Dorf irgendjemand gesehen habe, den ich nicht kannte und dachte, das ist eigentlich mein T-Shirt. Ich weiß auch nicht, wie es dann dorthin gekommen ist, das hat es auch schon gegeben.

Es ist natürlich immer eine Gratwanderung. Also man muss schauen, wie weit geht man und wo muss man sich auch distanzieren. Das ist ein Herausforderung im Alltag, wo macht man noch mit und wo muss man sich dann eben auch einfach als Ausländer davon distanzieren, ich glaube, das ist sehr wichtig,

Es ist eine Gratwanderung und eine Herausforderung. Auch von unserer Arbeit her, wir haben einiges an Arbeit hier vor Ort, einen straffen Arbeitsalltag, wir haben viele Klassen mit 96 Lektionen pro Woche, von der Grundschule über die Junior bis zur High School. Wir sind vier Lehrkräfte und es gibt viele Herausforderung im Sinne von Logistik. Wir müssen mit dem Boot eine Stunde fahren, wenn wir irgendwas einkaufen wollen, das heißt, wir fahren dann zweimal pro Monat so im Schnitt in die nächste Stadt. Wobei Stadt ist vielleicht auch das falsche Wort, vielleicht eher Hauptort dieser Region. Da gibt es auch nur sehr beschränkt Dinge, die man sich besorgen kann.

Logistik ist eine sehr große Herausforderung und wir haben aber auch die Umwelt, wir haben Stürme, unser Haus steht auf Stelzen über dem Meer, wir haben starken Wellengang. Das sind Herausforderungen, da überlegt man zu Hause gar nicht, unter welchen Bedingungen man eigentlich arbeitet.

Wir haben hier sehr hohe Luftfeuchtigkeit, wir haben heiße Temperaturen, wie man es eben aus den Tropen kennt, das heißt, es leidet halt alles, wie das Material. Man muss dauernd bei allen dran bleiben und dann haben wir natürlich auch unsere Mitarbeiter dazu. Da kommen wir jetzt zur Arbeitsmentalität, das ist schon eine andere Welt als die Arbeitsmentalität der Schweiz oder von Deutschland. Das sind Welten und das muss man natürlich auch akzeptieren können, dass es nicht das gleiche ist. Das bringt mich schon manchmal an die Grenzen. Es müssen Dinge erledigt werden, das muss einfach so sein und da kann man nicht keine Lust haben oder nicht einfach mal müde sein oder wenn es ein bisschen regnet, dann kann ja niemand arbeiten. Da sieht man einfach, was für eine Gratwanderung das ist. Wo muss man es dann akzeptieren und wo kann man noch sagen: nein, aber das muss noch erledigt werden?

Das Wichtigste von allem ist einfach, mit Respekt diesen Menschen gegenüberzutreten und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Zu Feierabend sitzen wir dann auch zusammen auf dem Steg mit der Gitarre und schauen den Sonnenuntergang an. Wir bedanken uns für die Arbeit und probieren so, die Arbeitsmentalität aufrecht zu halten, aber es ist sehr schwer und es braucht sehr viel Energie. Vor allem die Arbeitsmentalität auf einem Niveau zu behalten, wo es überhaupt möglich ist. Das kann einen schon an die Grenzen bringen.

Gerade, wenn es um Unfälle geht oder Krankheiten hier vor Ort, wo man eigentlich weiß, dass man diesen Menschen helfen könnte, aber wie schon erwähnt, diese Menschen leben ganz tief in ihrem Glauben an Geister und dann kann man eben nicht helfen durch Medizin. Da müssen sie dann zu den Bäumen sprechen oder zu dem Wasser, dass man dann trinken muss. Das sind solche Dinge, die bringen einen schon an die Grenzen, vor allem, wenn man weiß, dass man eigentlich helfen könnte.

Wir machen hier viel Aufklärungsarbeit, vor allem auch mit unseren Schülerinnen und Schülern, aber schlussendlich bin ich Gast hier und muss akzeptieren, wenn sie das so sehen. Ich kann nur aufzeigen, dass ich aus meiner Sicht auf eine andere Weise helfen könnte, ob sie dann diese Hilfe annehmen möchten oder nicht, das müssen sie selbst entscheiden, aber natürlich in mir drin ist das schon schwer, wenn man dann wirklich da steht und zusieht, wie Menschen über mehrere Monate hinweg leiden und dann auch sterben. Wenn man weiß, dass man mit simpler Medizin zum Teil hätte helfen können.

Ich denke, du hast da schon irgendwie den richtigen Mittelweg gefunden. Dass an sich nicht zu arg aufdrängt und irgendwo diese gewisse Distanz hält. Das ist, denke ich, schon unglaublich wichtig.

Genau, richtig, das ist wichtig.

Dann hat es aber auch schon das Umgekehrte gegeben, wo sie auf einmal mich gerufen haben bei einer Krankheit und gesagt haben, das kann nur ein Schweizer heilen.

Ich war dann erstmal ein bisschen verwirrt, aber es hat sich dann herausgestellt, dass es sich um Lepra handelt und es hier vor 30 Jahren ein Schweizer Paar gegeben hat, die sich in der nächsten Stadt auf dem Festland, in Sorong, um Leprakranke gekümmert haben, Und irgendwie ist die Geschichte durchgesickert bis zu den Einheimischen hier auf den Inseln und die glaubten, dass diese Krankheit nur ein Schweizer heilen kann, weil das damals Schweizer waren.

Natürlich habe ich dann auch mit einer Organisation in der Schweiz Kontakt aufgenommen. Ich habe das Glück, dass ich Ärzte in der Schweiz kontaktieren darf, aber die Mittel sind ja immer sehr beschränkt. Man muss dann Medizin organisieren und da kann ich schon behilflich sein, aber wie gesagt, ob sie die Medizin nehmen und sie heilen kann, ist eine andere Sache. Das sind dann schwierige Herausforderungen, das braucht wahnsinnig viel Geduld und Zusammenarbeit und Aufklärungsarbeit und so weiter.

Wie ist das dann ausgegangen, dieser Lepra-Fall?

Der Lepra-Fall ist nach wie vor noch aktuell. Wir haben die Medizin für diesen jungen Mann organisiert, die er jetzt jeden Tag zu sich nehmen muss. Wir konnten ihn schlussendlich überzeugen. Es hat sich gebessert, aber es braucht wahnsinnig lange Zeit so eine Krankheit. Sie ist ja nicht hochansteckend, ich habe mich ja dann auch ein bisschen mit dem Thema auseinandergesetzt, aber trotzdem. Die Menschen, die dort in demselben Haus leben wie er, sollten nicht aus dem gleichen Teller mit den leeren Händen essen und das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, ihnen sowas beizubringen. Dass man ja schon im selben Haus zusammen leben kann, aber man halt bei gewissen Dingen Abstand halten sollte.

Aber ihm geht’s besser und wir konnten die Medizin organisieren. Er nimmt sie auch zu sich zurzeit und wir hoffen, dass es ihm hilft.

Wow, also da sind interessante Geschichten.

Was motiviert dich denn eigentlich oder was hilft dir immer wieder, da weiterzumachen, gerade auch, wenn es so schwierige Geschichten sind oder Herausforderungen, die dich an deine Grenzen bringen? Was sind die Momente oder was genau ist es, das dich jedes Mal weitermachen lässt und dein Ziel nicht so aus den Augen verlieren lässt?

Da habe ich eine kurze Geschichte dazu, die das vielleicht ein bisschen erläutern kann. Ich wurde vor drei Jahren von einem ganz giftigen Tier, dem Blue Ring Octopus, gebissen. So ein Biss ist in den meisten Fällen tödlich. Ich habe es dann zum Glück überlebt und ich muss dazu sagen, ich glaube schon dank traditioneller Naturmedizin. Normalerweise gibt es keine Medizin, die das heilen kann. Das Gift lähmt innerhalb von wenigen Minuten den ganzen Körper und dann auch den Herzmuskel, was letztendlich zum Tode führen kann. Ich dachte auch in diesem Moment, ich würde sterben, ich war gelähmt, ich konnte kaum noch atmen und die Einheimischen sind gerannt und haben Blätter geholt und Rauch und gemacht. Ich habe es überlebt und ich habe dann vielleicht nach einer halben Stunde gemerkt, jetzt geht’s mir besser. Ich lag da am Boden und dann kommt ein Junge zu mir und sagt mit Tränen in den Augen: Zum Glück bist du nicht gestorben, dann kann ich morgen wieder lernen.

Das ist mir immer geblieben, dieser Lern-Durst und dieser Lernwille von den Kindern hier und den Jugendlichen, das habe ich so noch nie gesehen irgendwo anders. Auch wenn ich an mich selbst zurückdenke, ich bin immer gerne zur Schule gegangen, aber so ein Lernwillen, wie die Kinder das hier haben, das hatte ich sicher nicht. Und auch das Strahlen in den Augen, wenn sie irgendetwas verstehen, wenn sie dann was anwenden können, wenn sie was brauchen können, was sie gelernt haben, wenn sie mit guten Fragen auf uns zurückkommen, das sind die kleinen Dinge, die man dann so erfahren darf. Das ist sehr schön zu sehen.

Das ist einerseits sicherlich die Freude unserer Schülerinnen Schüler, aber das ist schon auch die Natur. Die Natur hier, wie gesagt, es gibt eine Biodiversität, die gibt es sonst nirgends auf unserem Planeten. Wenn man auf den Steg läuft oder vom Schulzimmer rausschaut, dann kann man alles Mögliche vorbeischwimmen sehen. Man kann Delfine sehen, man kann Wale sehen und das ist einfach Alltag. Das ist gleichzeitig aber auch schwierig, dass es eben nicht einfach zu normal wird.

Wenn ich jetzt hier sitze, schaue ich aus dem Fenster und irgendwann werden heute noch die Delfine vorbeischwimmen. Und das ist schön und okay, aber das klingt jetzt vielleicht ein bisschen banal, aber ich schaue ja in der Schweiz auch nicht mehr jede Kuh auf der Weide so genau an. Das ist vielleicht ein bisschen ein abstrakter Vergleich, aber in der Schweiz sehe ich sowas jeden Tag und wenn ich hier bin, dann sehe ich die Delfine jeden Tag. Das ist auch manchmal eine Kunst, dass man immer weiterhin diese Schönheit der Natur schätzt. Ich glaube, das ist wichtig, um bei Energie zu bleiben an so einem Ort.

Ja, es klingt traurig, aber man gewöhnt sich doch recht schnell an neue Umstände. Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Da muss man sich öfter mal wieder Fotos von der Heimat schicken lassen, vielleicht vom Schnee oder vom Winter.

Ja, das stimmt. Aber das ist ja manchmal auch schön.

Du hast vorhin schon gesagt, die Kinder sind so wissbegierig und haben ein Strahlen in den Augen und freuen sich total, wenn sie bei euch in die Schule gehen können und was lernen. Vielleicht wäre es noch interessant zu wissen, wie denn sonst eigentlich das Schulsystem dort wäre? Du hast ja vorhin schon gesagt, dass Bildung nicht ganz so gut ist. Wie wäre das denn, wenn ihr da nicht wärt?

Ja, wie kann man sich die Schule in den Dörfern vorstellen? Also da steht ein Gebäude aus Zement mit der Flagge vom Land und da gehen die Kinder mit der Schuluniform hin. Meist gibt es einfach das Salutieren und dann wird geputzt. Auch außerhalb der Schule, da werden dann Sträucher herausgerissen und die Blätter gesammelt. Und oft geht man dann wieder nach Hause. Oft ist auch kein Lehrer dort, also vielleicht zu 40% ist gar keine Lehrkraft da.

Das hat auch damit zu tun, dass die Lehrkräfte von den Städten herkommen und sich oftmals an dieses Leben in den Dörfern nicht anpassen können. Da hat man dann das Problem mit dem Essen. Um das hier organisieren zu können, das braucht halt Zeit. Das muss man fischen gehen oder man muss seinen Garten anbauen. Es ist nicht wie bei uns zu Hause, wo man sich kurz in 20 Minuten irgendwas Feines kochen kann. Hier braucht man halt dann drei bis vier Stunden.

Wasser ist ein Problem, Elektrizität ist ein Problem. Und das hält dann halt auch die Lehrkräfte davon ab, an so einem Ort auch länger zu bleiben. Und selbst wenn sie zur Schule kommen und in die Schule gehen, dann ist auch oft der Bildungsstandard der Lehrer nicht wahnsinnig hoch. Es kann auch sein, dass eine Lehrkraft gar nicht lesen kann. Insofern, was kann man dann den Kindern beibringen? Das ist halt sehr schwierig und ist wirklich ein strukturelles Problem in dieser Region.

Und das geht dann weiter, also jeder Schüler besteht die Schule bzw. die verschiedenen Schulstufen. Es ist gar nicht möglich, nicht zu bestehen. Auch bei den nationalen Prüfungen, das bringt man dem Lehrer Fisch oder man bringt irgendwas anderes zu essen oder man bringt Brennholz und so besteht man dann eben auch die Prüfungen. Oder vielleicht stehen dann die Antworten einfach auch schon an der Wandtafel. Und so geht das dann natürlich weiter über die verschiedenen Stufen.

Wie gesagt, das ist ein sehr komplexes strukturelles Problem und wir müssen auch bei unseren Schülerinnen und Schülern immer von Null beginnen. Das braucht sehr viel Geduld. Das geht so weit man, das man ihnen zeigen muss, wie man einen Kugelschreiber hält, man muss ihnen mit 12 oder 13 zeigen, wie man ein Heft vor sich hin legst und wie man darin schreibt. Das ist halt wirklich ganz tief an der Basis, wo wir beginnen, zu arbeiten, Danach ist aber gleichzeitig auch schön, zu sehen, wie schnell sie Fortschritte machen können, wie schnell ein Kleinkind imstande ist, etwas zu lernen. Das finde ich dann wiederum sehr faszinierend.

Ja, weil sie eigentlich von Natur aus wissbegierig sind. Wenn sie die richtigen Werkzeuge in die Hand bekommen oder die richtigen Lehrer, die sie da führen und leiten, dann denke ich, hat jedes Kind einfach so einen Wissensdurst in sich.

Ja, genau, richtig.

Da fangt ihr eigentlich, egal welches Alter, immer bei null an mehr oder weniger.

Du hast es vorhin schon erwähnt, also Bildung ist ein ganz großes Thema und eine große Herausforderung. Wie sieht es denn allgemein deiner Meinung nach mit Umweltschutz aus? Das ist ja wirklich ein schwieriges Thema auch in Indonesien allgemein, nicht nur in Papua. Ihr setzt ja schon richtig an bei den Kleinen, ihnen das von klein auf beizubringen, so Dinge wie: Wie pflege ich meine Umwelt, wie gehe ich mit der Natur um, damit es möglichst lange so schön bleibt oder sich auch bessert.

Wie ist es deiner Meinung nach, was muss ich denn allgemein noch ändern oder was könnte noch besser gemacht werden, dass das auch langfristig von Dauer ist und zwar eben auch allgemein in Indonesien?

Es gibt ja mittlerweile auch viele tolle Organisation, aber manchmal kommt mir es doch so vor, wie ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein.

Das ist es auf jeden Fall, das kann man nicht bestreiten, aber wie heißt es auch so schön: steter Tropfen höhlt den Stein. Was wir hier machen bzw. unser Ansatz ist: Wir möchten sie inspirieren und ein Bewusstsein schaffen. Wir möchten ihnen die Konsequenzen des eigenen Handelns aufzeigen, weil schlussendlich ist es ihr zu Hause und was sie damit machen, das müssen sie selbst entscheiden. Aber es ist ja wichtig, ihnen eben die Konsequenzen aufzuzeigen, wenn sie A oder B machen oder wenn sie nichts machen.

Man kann ja auch niemanden die Schuld für etwas in die Schuhe schieben, wenn man etwas macht, wenn der andere gar nicht verstehen kann, was das für Auswirkungen an sich hat. Und das ist unser Ansatz.

Ob dieses Kind jetzt diese Plastikflasche ins Meer schmeißt oder nicht, das muss es selbst entscheiden. Wir wollen zeigen, was passieren kann mit dieser Flasche, wenn man diese ins Meer schmeißt. Und schlussendlich muss jeder selber entscheiden, das ist der Ansatz einfach. Wenn man das nicht so macht, dann schmeißen sie die Flasche nicht ins Meer, wenn wir schauen, aber machen es, wenn wir nicht schauen. Das ist sehr wichtig, dass man das intrinsisch aufbauen kann, dass das Kind das von sich aus nicht machen möchte. Dass es verstanden hat, was die Konsequenzen für die Umwelt, aber auch für seine eigene Zukunft sind und das ist unser Ansatz dabei.

Deshalb arbeiten wir euch auf zwei Ebenen, einerseits das theoretische Erlernen bei uns im Umweltunterricht und dann aber eben das praktische Lernen. Wir nehmen eben die Kinder mit und wir gehen schauen. Wir gehen zu einem Manta und wir schauen. Wir haben es auch dort schon gesehen, dass sie wirklich in dem Moment in riesigen Abfallmengen schwimmen. Und dann kann man schauen, wie sie wirklich diesen Abfall in sich hinein spülen, weil sie ja eigentlich Plankton filtern möchten. Das haben die Kinder auch gesehen und das bleibt ihnen.

Ich glaube, das ist dann nachhaltig, wenn man ihnen wirklich auch zeigen kann, was passiert. Das dieser Abfall ein Manta geschluckt hätte, den sie vielleicht gestern ins Meer geworfen hätten. Es kommt sogar im Dorf vor, dass die Kinder den Erwachsenen sagen, dass sie die Zigarette nicht ins mehr Meer schmeißen sollen. Das ist dann eigentlich der richtige Ansatz, wenn sie sich bei Erwachsenen trauen, das zu sagen.

Ich habe dann schon öfters auch von den Erwachsenen das Feedback erhalten, dass der oder dieser Schüler gesagt hätte, ich soll das nicht tun.

Das ist unser Ansatz, dass man wirklich was nachhaltig aufbauen kann und es ist, glaube ich auch, unglaublich wichtig, dass man sie vor dem Massentourismus schützen muss.

Das arbeiten wir ganz stark mit unseren Junior aber vor allem auch mit unseren High School Studenten zusammen in diesem Themenbereich. Wir schauen uns gute Beispiele an, wir schauen uns negative Beispiele an und wir sind halt oft wirklich auch draußen und schauen an was passiert.

Jetzt hat sich das natürlich mit dem Coronavirus zurzeit etwas gelegt, aber das wird die Zeit wieder kommen an dem sich das wieder ändert.

Unter dem Strich haben wir einfach diese zwei Punkte mit dem theoretischen, aber eben auch dem praktischen Lernen.

Es sind bei uns auch schon Schülerinnen und Schüler direkt gekommen und haben gesagt: Hey, wir haben dort und dort an diesem Beach viel Abfall gesehen, können wir dort hingehen, um das aufzuräumen? Dann machen die das selbständig z.B. und das ist auch schön, dass man das bereits in dieser Zeit erreichen konnte.

Super. Ja, es gibt ja viele Organisationen, die organisieren auch Beach Clean Ups und solche Geschichten, wo sie Einheimische motivieren, mitzuhelfen und aufzuräumen und sauber zu machen. Aber im Endeffekt ist einfach entscheidend, dass man ihnen erklärt, warum und ihnen die Konsequenzen aufzeigt. Einfach nur Müll aufsammeln, das macht man dann wahrscheinlich, wenn der andere dabei ist und wirklich nachhaltig ist es dann nicht, oder?

Ja, richtig.

Wir hoffen, dass vielleicht in ein paar Jahren einer unserer Schülerinnen und Schüler eine Position in dieser Region hat, wo man dann eben auch an einem Hebel sitzt, wo man eine Hebelwirkung hat. Und so ist es zwar schon erst ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wie gesagt, steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn man dann eines Tages an einem richtigen Ort eine richtige Funktion hat, wie in der Politik, dann kann man vielleicht doch was erreichen. Und diese Möglichkeit ist schon realistisch hier für unsere Schülerinnen und Schüler.

Das passt eigentlich perfekt zu unserem Abschluss, denn wir sind jetzt schon fast am Ende. Wie sehen denn deine Zukunftspläne aus oder sagen wir mal: Was wünschst du dir denn für Papuas und auch für Indonesiens Zukunft? Ich denke, das hängt ja bei dir alles ein bisschen zusammen.

Ich wünsche mir für diese Region auf jeden Fall, dass die Menschen hier mehr und mehr verstehen können, was sie eigentlich haben hier an dieser Umwelt, wie stark sie darauf angewiesen sind und dass sie das eigentlich leichtsinnig vergeben. Die Menschen hier haben die reichsten Korallenriffe der Welt und diese Korallenriffe liefern alles, was es braucht zum Leben. Und wenn man dann noch einen nachhaltigen Tourismus haben kann, wenn das nicht zu einem Massentourismus aufläuft, dann glaube ich kann man auch in Zukunft gut davon leben. Das geht dann auch nicht kaputt, wenn nicht der Massentourismus aufkommt.

Ich hoffe stark, dass diese Menschen das mehr und mehr auch verstehen können und das für sich und ihre Zukunft auch erreichen dürfen. Wir von unserer Organisation Child Aid Papua, wir hoffen, dass wir in einer guten Art und Weise weiter wachsen dürfen, immer unter dem Fokus, dass Qualität vor Quantität gilt, aber im Sinne davon, dass wir der Nachfrage in dieser Region nach unserem Bildungsprogramm auch nachkommen können: Es tut mir schon ein bisschen weh, wenn dann irgendein Einheimischer in einem Baumstamm hier her kommt, mit einem Kind drauf und fragt, ob das auch hier zur Schule kommen kann. Dann muss ich sagen: Leider haben wir zurzeit alle unsere Klassen voll, das schmerzt schon. Ich hoffe, dass wir das in Zukunft so aufbauen können, dass wir der Nachfrage gerecht werden.

Das wünsche ich auch sehr für euch, dass ihr lange so weitermachen könnt, wie ihr es macht und damit erfolgreich sein werdet für die Menschen dort.

Wo und wie kann man dich denn finden und unterstützen? Ihr habt bestimmt eine Website oder auch Facebook oder Instagram?

Genau, unsere Organisation heißt Child Aid Papua. Wir haben natürlich auch unsere Webseite, verfügbar auf Deutsch, Englisch und Indonesisch childaidpapua.org und natürlich sind wir auch auf Instagram und Facebook unter Child Aid Papua zu finden. Es ist sehr interessant, dort mal reinzuschauen und sich die Bilder und unsere Story anzuschauen und in eine andere Welt eintauchen zu können, ich glaube, das tut mal sehr gut bei uns zu Hause in der Schweiz und auch in Deutschland.

Ja, da gibt’s ganz viele paradiesische Bilder, das kann ich bestätigen, das weckt auch das Fernweh.

Zum Abschluss noch meine zwei letzten Fragen: Wenn du in der Schweiz bist, was vermisst du denn am meisten aus Papua oder Raja Ampat und auch umgekehrt, was vermisst du denn hier aus der Schweiz? Da gibt’s bestimmt auch ein bisschen was.

Ja, also wenn ich in der Schweiz bin, dann vermisse ich natürlich unseren Alltag hier. Wir haben ja unsere Schülerinnen und Schüler, da läuft immer wahnsinnig viel. Man muss sich Zeit nehmen für sich selbst, aber wenn man dann auf einmal in der Schweiz ist, ist einfach Ruhe, und zwar gespenstische Ruhe und dann vermisse ich das von hier schon wieder. Das Leben, die Kinder hier vor Ort, aber natürlich auch das Meer. Diese Dinge, die man, wenn man hier ist, im Alltag gewohnt ist.

Wenn ich jetzt aber hier bin, was ich aus der Schweiz vermisse? Manchmal ist das fast ein bisschen die Langeweile. Nicht, dass ich in der Schweiz gelangweilt bin, aber das Leben in der Schweiz im Gegensatz zum Leben hier ist schon ein bisschen langweilig. Es ist doch einfach alles organisiert und strukturiert und die Prozesse funktionieren und das vermisse ich manchmal. So viel Schweizer bin ich bin ich eben doch noch. Wenn man an so einem Ort arbeitet wie hier, dann vermisst man das manchmal schon, irgendwo die Stabilität im Alltag, etwas mal mehr strukturiert zu haben und das Funktionieren der Prozesse. Das ist jetzt vielleicht eine sehr spießige Antwort.

Aber natürlich vermisse ich auch die Berge, ich gehe sehr gerne wandern, auch die verschneiten Berge. Natürlich vermisse ich auch mal das Essen, ein gutes Raclette, ein gutes Fondue. Natürlich vermisst man das auch, das ist schon so.

Na ja, wenn man ab und zu mal wieder rüber kommt und dann diese Batterien wieder aufladen kann, dann geht’s auch, gell?

Schön Jonas, das war es eigentlich schon so weit. Es hat mich ganz arg gefreut, dass es endlich geklappt hat. Es war super spannend und ich weiß nicht, vielleicht haben wir irgendwann noch mal die Chance, miteinander zu sprechen?

Ich wünsche euch ganz viel Erfolg und alles Gute für eure Pläne.

Vielen herzlichen Dank, Gunda. Ja, und wer weiß, vielleicht ein andermal wieder. Danke vielmals!

Gerne, tschüss.

Tschüss.

Das war Coconut-Talk, dein Podcast über das Leben in Indonesien.

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