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Transkript

Hallo und herzlich willkommen bei Coconut-Talk, deinem Podcast über das Leben in Indonesien!

Ich bin deine Gastgeberin Gunda und gemeinsam mit meinen Gästen werden wir die zahlreichen Inseln Indonesiens entdecken.

Freu dich auf spannende, kuriose und manchmal auch kritische Themen.

Viel Spaß beim Zuhören und beim Erkunden des größten Inselreichs der Welt!

Gunda: Selamat datang und herzlich willkommen zu unserer heutigen Folge bei Coconut-Talk. Ich habe heute die Iris als Gast bei mir und Iris kommt ursprünglich aus Dresden, lebt aber schon seit fast zehn Jahren in Indonesien. Sie war lange in Yogyakarta und ist aktuell, bzw. ein bisschen ist es schon her, nach Bali umgezogen und lebt jetzt auf Bali.

Wir werden heute darüber sprechen, was sie in Yogya so lange gemacht hat und werden etwas über eigene Produkte erfahren, die sie kreiert und außerdem: warum sie nach Bali gezogen ist, was es für Unterschiede und Vergleiche gibt und dann wird’s auch ein bisschen magisch bei uns heute, denn Iris hat ein paar Erfahrungen mit Magie gemacht in Indonesien. Das ist ein ganz spannendes Thema. Da bin ich schon gespannt und freue mich drauf.

Iris schön, dass du da bist bei mir. Hallo erstmal.

 

Iris: Ja. Hallo, Gunda. Ich freue mich sehr, dass ich bei deinem Podcast mitmachen darf. Ist tatsächlich auch das erste Mal für mich. Und ja, ich bin sehr gespannt.

 

Gunda: Schön, freut mich auch. Dann starten wir doch gleich mal los. Möchtest du vielleicht zu Anfang einfach mal ein bisschen erzählen, was du aktuell in Bali machst?

 

Iris: Ja gern. Also ich unterrichte Deutsch als Fremdsprache. Das habe ich jetzt auch noch mal ein bisschen erweitert. Ich habe in Bali tatsächlich ein Fernstudium in Angriff genommen, um endlich den offiziellen Titel als Fremdsprachenlehrerin in der Tasche zu haben. Ich unterrichte schon seit ungefähr zehn Jahren und habe eben noch mal Lust auf einen offiziellen Abschluss gehabt.

Zurzeit unterrichte ich nicht persönlich, nur online. Und das ändert sich hoffentlich bald. Das ist so die eine Hälfte meiner Zeit. Und die zweite Hälfte meiner Zeit bin ich künstlerisch aktiv. Ich leite seit kurzem meinen Kunstkreis bei uns zu Hause zum freien Gestalten. Manchmal mit tieferen Themen, manchmal auch einfach aus Spaß. Wir spielen einfach viel mit Collagen, Farben und Mustern. Und diesen Monat kommt dann offiziell auch ein Batik-Workshop dazu. Da freue ich mich sehr drauf. Weil das immer so mein Wunsch war, auf traditionelle Künste aufmerksam zu machen. Und Batik ist ja eine der größeren, indonesischen, traditionellen Künste.

Den Rest der Zeit kümmere ich mich um unsere kleine Marke namens Soulid. Das sind verschiedene handgemachte Produkte. Da macht mein Mann auch mit. Er kommt aus Yogyakarta und arbeitet hauptsächlich mit Holz und Bambus und baut, neben Möbeln und Installationen, auch traditionelle Instrumente. Ich bin auch dabei mit Hängematten und Batik-Produkten. Das ist unsere kleine Marke Solid.

 

Gunda: Toll. Klingt toll. Also da bräuchten wir jetzt eigentlich ein Video dazu, dass man das gleich alles sehen kann. Schön, wir kommen gleich noch dazu – ihr seid ja auch online vertreten. Jetzt erzähl uns doch erstmal, wie du überhaupt nach Indonesien gekommen bist vor ja, ziemlich langer Zeit. Und wie es dazu kam, dass du dann auch hängengeblieben bist.

 

Iris: Ja, das ist eine gute Frage. Also ich war, glaube ich, Anfang 20, als ich das erste Mal nach Indonesien gereist bin. Und ich hatte schon indonesische Freunde in Dresden und war einfach unglaublich neugierig, woher diese sympathischen Menschen kommen. Ich war am Anfang dann hauptsächlich auf Java und sofort fasziniert. Das erste Mal bin ich 2010 nach Java gereist und bin dann auch gut einen Monat geblieben.

Ja und was hat mich da so fasziniert? Also es war vielleicht gar nicht so diese typischen Sachen wie Essen oder die Sprache oder: Oh, da sind so schöne Tempel. Also für mich war das tatsächlich so das Miteinander dort. Vor allem in Yogya war ich viel und mich hat das total begeistert, dieses einfache Leben, des Künstlertum. Ja und vor allem, wie die Menschen miteinander leben und miteinander umgehen.

Und dass dieses Land auch komplett ohne diese deutschen Strukturen und Regeln und Vorsichtsmaßnahmen funktionierte. Das war eben so unglaublich spannend für mich. So nach dem Motto: Es geht eben auch anders. Also so ohne diese ganzen Einschränkungen, hatte ich das Gefühl. Und das Land funktioniert ja trotzdem irgendwie. Das war für mich der Hauptpunkt.

Diese Erkenntnisse auch einfach wie Krankenversicherung, Absicherungen allgemein, geförderte Bildung und so weiter – das war alles nicht selbstverständlich und das hat sehr viel mit mir gemacht. Ich war ja wirklich noch sehr jung. Und es hat einfach sehr viel in mir bewegt und dann habe ich 2011 ein Stipendium in Angriff genommen. Das damals das Darmasiswa-Programm, was wahrscheinlich auch ein paar andere gemacht haben, die du kennst.

Und dann ging das los. Sehr intuitiv habe ich jedes Jahr aufs Neue entschieden. Das reicht mir nicht. Also ein Jahr reicht mir nicht in Indonesien. Das war immer so eine neue Planung jedes Jahr. Ich bin zurück nach Deutschland und dachte mir so, nee. Also auswandern will ich nicht, aber das reicht mir einfach noch nicht und dann habe ich mich neu entschieden. Bin wieder zurück und so ging das weiter. Über Jahre.

Indonesien hatte einfach eine sehr starke Anziehungskraft für mich. Ich habe mich von Anfang an unglaublich Zuhause gefühlt, trotz dieser, ja, sagen wir mal, extremen Unterschiede auch. Es war ja doch ein Kulturschock. Und ich habe dann, im Prinzip, meine kompletten 20er in Yogya verbracht oder in Indonesien allgemein. Und bin dann so, wie noch mal neu aufgewachsen.

Ich hatte auch damals noch kein Smartphone oder allgemein der Kontakt nach Deutschland war dann sehr rar in den ersten Jahren. Ich habe dann einfach sehr, sehr feste Freundschaften gehabt. Also es war wie eine eigene neue Familie. Das hat mich dann dort sehr glücklich gemacht und es gab tatsächlich auch eine Zeit, wo ich kaum Kontakt zu Weißen hatte. Also zu irgendwelchen anderen Ausländern, die dort gelebt haben.

Ich war richtig in die Einheimischen-Welt eingetaucht und auch hatte viele Local-Freunde, die kein Englisch gesprochen haben. Das war eigentlich mein Glück, denn dadurch habe ich endlich angefangen, Indonesisch zu lernen. Und bin dann richtig in diese Mentalität eingetaucht und ich kann wirklich im Nachhinein sagen, dass ich so ein bisschen meine alte Identität losgelassen habe. Oder sie hat sich so neu zusammengepuzzelt, in der Zeit.

Es ging dann soweit, dass mich auch die Leute darauf angesprochen hatten: Ach, du bist doch nicht aus Deutschland, komm. Einer meiner besten Freunde auch so: Ach nee, so typisch Europäisch bist du jetzt ja nicht. Also typisch Deutsch kannte er gar nicht aber so, aber so europäisch, nee. Es ging dann so weit, dass ich einen javanischen Namen bekommen habe. Da war ich nicht mehr die Mbak Iris, sondern die Mbak Iin aus dem Dorf aus Bantul aus Yogya.

Für mich sind es immer so Strukturen in Deutschland gewesen. Sehr feste Strukturen und da kommt man schwer raus, aber man kommt eben auch schwer rein. Es ist ein sehr starkes, eigenes System und ich wollte das so gerne loslassen. Also ich wollte da so gerne einfach nicht die Weiße sein, nicht die Bule und so richtig eintauchen in diese andere Welt.

Das waren so die ersten Jahre. Im ersten Jahr habe ich dann auch meinen Mann kennengelernt, den Budi, er kommt aus Yogya. Und seit ich Indonesien betreten habe, bin ich eigentlich auch mit den Künsten dort beschäftigt. Ich habe viel Batik gemacht, in Yogya, in den Galerien. Und ich habe Gamelan-Musik studiert. Deshalb habe ich sehr stark auch auf deinen Podcast reagiert. Auf deine Musik am Anfang. Das macht mir richtig Gänsehaut. Es erinnert mich an gute alte Zeiten.

 

Gunda: Ja, schön, spannend. Ich kann das gut nachempfinden, was du erzählst. Also auch von dem deutschen System und von der indonesischen Gelassenheit. Also sie ist natürlich toll, aber sie bringt auch doch immer wieder Herausforderungen mit sich. Ich will da jetzt gar nicht so sehr in die Tiefe gehen, aber wie empfindest du das? Also es hört sich ja schon so an, dass du das alles auf jeden Fall positiv aufnimmst und dich da auch wieder findest. Aber hast du selber schon auch immer mal wieder den Gedanken, dass du mal aneckst mit zu viel indonesischer Gelassenheit?

 

Iris: Ja, also ich denke auch, das war dann auch letztendlich der Grund, dann doch noch mal zurück nach Deutschland zu gehen im Jahr 2017. Ich hatte zum einen Menschen kennengelernt, die schon so lange in Indonesien beziehungsweise Südostasien waren. Die konnten gar nicht mehr zurück nach Deutschland. Die wollten vielleicht, aber sie konnten nicht mehr. Die sind so aus dieser Mentalität und diesem Gedanken-System raus, was in Deutschland existiert, dass sie das nicht mehr geschafft haben.

Es hat mich ganz erschrocken und das wollte ich einfach nicht. Somit habe ich Ende 20 die Bremse gezogen, weil ich auch gemerkt habe, dass ein Teil von mir irgendwie dort nicht leben konnte, das ist wahr. Also es gibt tatsächlich ein paar Sachen, die ich dort in Yogya damals nicht leben konnte. Wo ich mich nicht verstanden gefühlt habe.

Das waren nicht viele Sachen, aber sie waren eben da und ich glaube, der größte Punkt ist, dass ich einfach immer ein offenes Buch bleiben werde. Ich spreche über meine Gefühle. Ich bin sehr, sehr offen und habe auch meine eigene Meinung. Und das wird ja zum Beispiel in Java sehr über die Hintertür oder über eine dritte Person geklärt. Es werden nie direkt Dinge sofort mit Klarheit besprochen und Probleme werden auch teilweise gar nicht angesprochen oder ausgesprochen und lösen sich dann irgendwie von alleine oder eben nicht.

Das hat mich sehr belastet. Es waren vor allem Kleinigkeiten, also wirklich kleine Sachen. Mit den Nachbarn oder auch mit Freunden. Das hat mich dann belastet, weil ich einfach nicht darüber sprechen konnte. Und das trägt man dann immer mit sich rum und man denkt sich: Mein Gott, das ist doch eigentlich kein großes Thema. Das kann man doch mal schnell klären.

Aber das ging eben nicht immer. Und das hat mir gefehlt. Da war ich dann so ein bisschen am überlegen. Oh, das ist aber eine wichtige Sache für mich. Ich muss das, ich brauche das. Zum Glück ist da mein Mann sehr offen gegenüber. Beziehungsweise sind wir ja auch beide gewachsen. Kommunikation ist eben, glaube ich, nochmal ein wichtigeres Thema, wenn man in einer bikulturellen Beziehung lebt.

Das ist ein Punkt gewesen, den konnte ich nicht loslassen. Und da war mir das auch dann irgendwann genug in Yogya. Das war der Punkt, wo ich dachte, ich muss zurück nach Hause. Ich möchte auch meine Freunde sehen und Familie erleben und das war so das, was mir ein bisschen fehlte.

 

Gunda: Ich denke, wir kriegen das auch nicht ganz aus uns raus, irgendwie. Wenn man so aufgewachsen ist.

 

Iris: Genau. Genau. Wir haben so eine gewisse Struktur auch im Kopf. Das fiel mir sehr auf, als ich in Deutschland war. Dass mir manches doch wieder leichter von der Hand ging, so Routinen. Man hat eben doch einen sehr strukturierten Alltag.

Den kann ich mir inzwischen auch selber bauen. Man kann ja viel innerlich machen ohne, dass das außen immer strukturiert ist. Aber ja, mir hat es sehr viel geholfen, in Deutschland wieder so ein bisschen Struktur zu haben, weil ich auch selber, glaube ich, ein chaotischer Mensch bin und brauche dann auch so ein bisschen die Stütze von außen.

 

Gunda: Ja, wenn jemand sowieso schon so einen leichten Hang dazu hat, dann kann das auch fatal werden in Indonesien.

 

Iris: Ja, genau.

 

Gunda: Das verstärkt sich ja dann nur, gell?

 

Iris: Ja, absolut. Also ich hatte mich teilweise da richtig verloren und hatte so ein richtiges Bedürfnis, auch ganz anders zu sein. Und ja, noch mal neu anzufangen. Es war ganz interessant im Nachhinein. Ganz interessant zu beobachten.

 

Gunda: Ja, spannend. Du hast vorhin schon erzählt, dass du auch viele künstlerische Dinge getan hast. Also bist ja eh künstlerisch veranlagt. Wie kam es denn dann zu diesen Dingen, wie Batik? Du sagst, ihr macht, oder du machst, Hängematten. Dein Mann ist ja genauso künstlerisch veranlagt. Ich denke, gleich und gleich gesellt sich dann schon gern. Man ist dann in den gleichen Kreisen unterwegs.

Magst du noch ein bisschen was zu den Anfängen erzählen mit euren Produkten? Und was auch immer dir dazu noch einfällt.

 

Iris: Ja, das ging direkt im ersten Jahr los, dass ich Gamelan studiert habe und dort habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Also er hat Ethnomusikologie studiert in der Easy Yogya. Und er war fast der Einzige, der Englisch sprechen konnte und wir waren auch ein bisschen wie zwei Magnete. Wir haben viel zusammen geübt und gemacht und ich bin dann sehr schnell in ein paar Galerien in Yogyakarta gelangt und habe dort dieses Batik kennengelernt.

Das wollte ich einfach probieren und es hat mich auch sehr schnell gefesselt. Ich habe wirklich stundenlang in einer Galerie gesessen und habe dann gemalt und geübt. Und es war sehr, sehr faszinierend für mich. Also nicht nur das Endergebnis, sondern auch einfach der Prozess der Batik-Produktion. Das Erlernen der Geduld, die man braucht und wie viel Fokus das beansprucht. Und die Liebe zum Detail.

Das ist ja auch eine traditionelle Kunst, die Frauen in Indonesien praktizieren. Und wenn man sich mal indonesisches Batik anschaut, weiß man, was die Frauen da leisten. Wie heldenhaft sie den ganzen Tag ihre Kunst produzieren. Das ist ja auch ein Job für sie. Es ist ja nicht nur Spaß. Es ist auch richtig Arbeit. Wie viel Ausdauer und Feinheit da drinsteckt und die ruhige Hand dazu.

Das ist einfach ein wahnsinniges Handwerk für mich und so fantastisch, wie die Frauen das in Indonesien praktizieren, werde ich das nie machen, aber diesen Prozess zu durchleben ist so eine Art Meditation und gleichzeitig eine richtige Disziplin für mich, die ich üben möchte.

Es ist für mich ein sehr großes Geschenk gewesen in Yogya wirklich an der Quelle zu sitzen. Und das Endergebnis von Batik, wir machen das ja richtig mit Wachs – es ist traditionell mit Wachsmalerei, welches man dann färbt und im Nachhinein wird das Textil einfach gekocht, damit das Wachs sich löst und dann hat man, wie bei der analogen Fotografie eigentlich, so eine Überraschung am Ende. Denn man weiß manchmal gar nicht mehr, wie viele Layer man da auf einem Textil schon abgedeckt hat mit dem Wachs und wie oft man schon gefärbt hat. Das verschwimmt dann irgendwann. Am Ende kommt irgendeine Überraschung raus und das fand ich so toll.

So sind dann ein paar Produkte entstanden. Wir machen jetzt zurzeit Gürteltaschen. Ich habe auch Schals gemacht, Grußkarten – alles Mögliche eigentlich. Von Kleidung bis Dekoration. Und so ist dann auch die Marke Soulid entstanden, damals in Yogya. Das ging eigentlich auch mit einer Hängematten-Produktion los, so gleichzeitig eigentlich.

Damals in Yogya gab es gar nicht so viele Outdoor-Shops und Hängematten in der Hinsicht und ich wollte unbedingt so eine leichte schöne Hängematte haben. Und Budi, mein Mann, hatte eine aus Bali da. Wir haben die einfach kopiert. Wir haben die einfach selber genäht und daraus ist dann, ziemlich schnell eigentlich, ein Interesse entstanden von Freunden oder Touristen, die vorbeigekommen sind. Das ging ziemlich schnell, dass es dann doch eine größere Produktion wurde.

Budi hat sich sehr viel mit Instrumenten beschäftigt, er baut traditionelle Instrumente. Das hat er auch schon in seinem Studium gemacht. Da sind Bambusflöten dabei, die Sape-Gitarre aus Kalimantan, Maultrommeln – alles Mögliche. Nicht nur indonesisch, aber auf jeden Fall sehr traditionell.

So hat sich das weiterentwickelt und es ging dann noch weiter. Ich hatte damals schon so ein Gefühl: Ja, ich werde irgendwann mal nach Deutschland gehen. Und in der Zeit gab es das Tempe nicht in Deutschland bzw. ich kannte es einfach nicht aus irgendwelchen Geschäften. Auch im Asia-Shop hatte ich das damals noch nicht gesehen.

Und ich hatte tatsächlich das Bedürfnis, es zu lernen. Wie macht man denn dieses Tempe? Und so bin ich dann in irgendein Dorf in Yogya gegangen, ein Familienbetrieb und habe dort ganz natürlich, also wirklich von Hand – ich konnte Indonesisch noch nicht so gut sprechen – das heißt wir haben wirklich mit Händen und Füßen irgendwie versucht, uns gegenseitig zu verständigen. Wir haben gelernt, ohne groß Worte zu benutzen und ohne groß irgendwelche Maße und Gramm-Angaben zu benutzen.

Es war sehr viel mit Gefühl. Der Produzent dort hat mir erklärt, wie man Tempe herstellt und es hat auch eine ganze Weile gedauert, bis ich das raushatte. Aber es hat sich gelohnt. Es ist auch ein sehr komplizierter Prozess gewesen. Nicht so, wie man es jetzt im Youtube-Video sieht. Wirklich ganz, ganz anders und traditionell.

Das habe ich dann mitgenommen nach Deutschland, das Wissen. Und ich habe meine Nachbarn damit beglückt. Es kam richtig gut an. Und natürlich auch zum Privatverzehr.

 

Gunda: Schön. Vielleicht sagen wir noch kurz dazu, was es ist. Also ich denke, die meisten Leute kennen es, aber Tempe sind fermentierte Sojabohnen, gell? Also Sojabohnen werden gekocht oder eingelegt und – du hast es ja schon gesagt – es gibt eine offizielle Variante und eine inoffizielle, von der Herstellung her. Es kann auch ab und zu abweichen. Und danach werden sie abgepackt. Also sie werden noch gewaschen und gesäubert und so weiter und abgepackt. Dann kommt Hefe mit dazu und dann lässt man das eigentlich ruhen. Ein, zwei Tage oder je nachdem. Und dann wird das ganz heiß und es entsteht dieser weiße, ja, Pilz ist das dann eigentlich, oder?

 

Iris: Ja, das ist ein Pilz. Also wir sagen auch, die Sojabohne wird mit einem Pilz geimpft. Traditionell wird da richtig die Bohne, nachdem sie gekocht wurde, gemischt mit diesem Pilz. Dann wird sie verpackt. Bananenblätter sind natürlich die traditionelle Variante oder Plastik. Und dann liegt das zwei Tage ungefähr, wenn die Temperaturen stimmen und wenn die Luftfeuchtigkeit stimmt. Dann wächst der Pilz.

Es ist wie so ein Kuchen. Wir sagen auch: der Tempe-Kuchen wächst. Leute, die sich ein bisschen davor ekeln, kann man immer beruhigen. Das ist wie Camembert. Das ist einfach ein weißer Schimmel, der dann um die Bohne wächst. Die Nährstoffe der Bohne ändern sich dadurch. Es wird dann ganz nahrhaft durch den Prozess. Man sagt ja sogar, dass dieses Vitamin B12 dann vorhanden ist, in größeren Mengen. Das ist vielleicht für manche ganz interessant, die sich anders ernähren möchten als der Normalverbraucher.

 

Gunda: Und das kam dann auch in Deutschland gut an, hast du gesagt?

 

Iris: Ja, total. Also gerade bei der Veganer-Gruppe. Die haben sich riesig gefreut. Also 2017 gab es schon Tempe im Laden, im Geschäft. Aber die kannten eben nur dieses Tempe und sie haben dann mal meins probiert. Und das war wirklich ein bisschen anders vom Geschmack her. Deshalb lief das ganz gut dann, die Heim-Produktion.

 

Gunda: Super, spannend.

Ihr habt auch eine Instagram-Seite. Ich habe es vorhin schon kurz erwähnt, dass wir dazu noch was sagen. Wo findet man euch denn da, dass man mal schauen kann, was ihr so herstellt in Eigenproduktion?

 

Iris: Ja, also ich muss sagen, wir sind nicht so professionell unterwegs online. Daran müssen wir noch sehr arbeiten. Aber wir sind auf jeden Fall erreichbar. Man kann unsere Sachen auf Instagram sehen. Da können wir ja gerne noch was verlinken. Das ist einfach mein Name und Soulid. Auch mein Mann ist da erreichbar.

Dort sind wir am aktivsten, würde ich sagen. Wir haben jetzt noch nichts anderes. Also keine Webseite oder so. Wir gehen einfach mit dem Flow. Und Instagram bietet sich dafür an.

 

Gunda: Ja, mit dem Flow gehen – das sieht man, wie das eine zum anderen führt, gell? Und sich auf einmal neue Türen öffnen. Eigenheim-Tempe-Produktion in Deutschland, ungeplant!

Ja, vorhin schon habe ich es kurz erwähnt. Es wird ein bisschen magisch bei uns heute. Es ist ja auch ein ganz spannendes Thema, die Magie und jemand, der auch schon öfter in Indonesien war oder auf Bali, der wird wahrscheinlich irgendwann auch mal davon gehört haben, dass die Indonesier allgemein einen sehr starken Glauben daran haben und dass es doch auch viel in diese Richtung gibt.

Ich habe selber noch nicht wirklich eigene Erfahrungen damit gemacht. Deswegen halte ich mich da zurück, aber ich weiß, dass du da schon ein bisschen was erlebt hast. Was kannst du uns denn da erzählen dazu?

 

Iris: Ja, also es ist wirklich ein Thema, was man sehr schwer in Worte fassen kann. Das geht wahrscheinlich den Indonesiern ähnlich. Es gibt da so ein paar Ereignisse, die ich nicht erklären kann. Und das ging auch anderen so. Es gab so ein paar Sachen, die nicht nur mir passiert sind.

Das ging gleich im ersten Jahr los, als ich noch studiert habe. Das ist jetzt so eine Situation, die mir dazu einfällt, die einfach wirklich verrückt war. Ich kann ja mal versuchen, das irgendwie zusammenzutragen.

Ich saß bei einem Freund zu Hause. Es war ein ganz typischer Nachmittag, so ganz entspannt, er an der Gitarre. Ich habe irgendwas geschrieben, wie man eben seine Nachmittage verbringt. Wir hängen ganz viel ab mit Leuten. An dem einen Nachmittag saßen wir einfach in seinem Wohnzimmer und dann hat mein Handy geklingelt und ich bin natürlich rangegangen: Hallo.

Und da kam aber gar nichts, erstmal. Und ich habe da so reingehört und von ganz weit hinten oder von weit weg, kam dann wie ein tiefes Wasserrauschen plötzlich. Und ich dachte, was ist denn das? Also ich war gar nicht so erschrocken oder dachte, ich lege jetzt auf, sondern ich wollte wissen, was ist denn da los? Also das klingt ja interessant.

Ich habe dann so tiefer reingehört und es war wirklich wie so ein – ich wusste gar nicht, ob das überhaupt Wasser ist – aber es war so ein Rauschen. Und aus diesem Rauschen ertönte dann plötzlich so eine ganz tiefe, rauchige Stimme. Und die hat dann auch wirklich so mantra-mäßig irgendwas gesagt. Also immer wieder wiederholt.

Ich dachte: Okay, was ist denn das? Also ich war da so auch wirklich gefesselt davon. Ich habe nicht reagiert, ich habe da einfach reingehört. Ich weiß nicht wie lange, denn irgendwann kam dann von der Seite der Ellenbogen meines Kumpels und hat mich so an gerunzt und gemeint: „Iris, du musst jetzt auflegen!“

 

Gunda: Okay.

 

Iris: Und ich bin dann so ein bisschen rausgerissen worden, habe dann aufgelegt und das Handy hingelegt und habe dann meinen Kumpel angeschaut. Er hat mich sofort gefragt: „Was hast du gehört?“ Und ich habe ihm dann versucht, zu beschreiben, was ich gehört habe, aber ich war so ein bisschen verwirrt, aber auch nicht irgendwie emotional davon beeinflusst.

Er hat dann weiter gefragt und weiter gefragt. „Hast du irgendwas verstanden?“ und „Was hat denn die Stimme gesagt?“ Nee, keine Ahnung, es klang sehr gruselig und er meinte dann zu mir, er hätte einen elektrischen Schlag an der Gitarre bekommen, als ich den Hörer abgenommen habe. Also als ich den Anruf angenommen hatte, hatte er in dem Moment einen Schlag bekommen.

Das hatte mich dann schon sehr erschrocken. Also aus meinen Erzählungen konnte er auch erkennen, dass das wohl ein Liebes-Mantra war, was mir jemand durchs Telefon eingeflößt hat. Also es war ja auch teilweise witzig, weil ich immer so an Schamanen gedacht habe mit Trommeln und was weiß ich nicht. Aber übers Handy, dass da irgendwie schwarze Magie passieren kann.

 

Gunda: Okay abgefahren.

 

Iris: Ja, total abgefahren. Ich war aber immer noch so total naiv. So keine Ahnung, was das jetzt war, aber okay, Liebes-Mantra. Und mein Kumpel, der Ango kannte bestimmte Leute. Die richtigen Kontakte natürlich, die dann rausfinden könnten, wer dahintersteckt. Und das fand ich halt krass.

Wie kann denn ein fremder Mensch durch meine Erzählungen herausfinden, wer versucht, mir jetzt irgendein Liebes-Mantra einzuflößen? Oder wer möchte, dass ich mich in diesen Menschen verliebe? Also allgemein fand ich das sehr interessant, wie das funktioniert.

Dann sind wir tatsächlich zu diesem Menschen hin. Ich weiß gar nicht, wie ich ihn nennen soll also. Einfach Mensch mit Fähigkeit. Ich möchte jetzt nicht so Schamane oder Medizinmann sagen. Und ja, ich habe dann nochmal die Geschichte erzählt und er hatte eine Idee, dass das nicht nur ein Mensch, sondern vielleicht sogar eine Gruppe von Menschen war.

Also derjenige, der in mich verliebt war, hat jemanden beauftragt und dieser Beauftragte hat mir dieses Mantra zugesprochen. Und ich hatte dann tatsächlich eine Ahnung, von woher das kommen könnte. Also das hat sich dann so zusammengebastelt, hat irgendwie Sinn gemacht und der besagte Mensch, der Freund von meinem Freund, hat dann auch gemeint „Du kannst es auch zurückschicken, also ist kein Problem.“

 

Gunda: Aha!

 

Iris: „Du bist auch in so einer Energie und dein Charakter, da sehe ich, dass nichts mit dir passieren wird. Du bist da stark genug.“ hat er irgendwie gemeint. Also wahrscheinlich heißt es, ich war einfach so unsensibel in der Zeit und habe auch nicht daran geglaubt einfach, dass es abgefallen ist von mir. Es hat nichts mit mir gemacht und ich hätte es zurückschicken können.

Aber das war jetzt nicht so in meinem Interesse. Ich habe nur gedacht: Nee, alles gut. Aber es war spannend. Also ich war wirklich neugierig, wie sowas funktionieren könnte. Ja, das war jetzt wirklich so eine Situation, die ich fast nie jemandem erzählt habe in Deutschland, weil das einfach total unerklärbar ist und ich das bis heute auch nicht verstehe.

Ich weiß auch nicht, wie das jetzt wäre, nach zehn Jahren, ob ich da nicht vielleicht doch sensibler für solche Sachen bin. Weil damals so, über das Handy, haha. Kann doch gar nicht funktionieren.

Eine andere Sache, ich glaube, es gibt viele Menschen – nicht nur in Indonesien – die sehr viel spüren können. Also selbst, wenn sie sich nur berühren, können sie sehr viel Information erhalten. Ich habe so einen Freund auch gehabt, in Yogya. Wir waren schon befreundet. Er hat mir das aber später erst erzählt, dass er, wenn er nur jemanden berührt, dass er ganz, ganz viele Sachen weiß über die Vergangenheit des Menschen. Über den Körper des Menschen.

Ich habe das dann irgendwann erfahren von ihm und das ist total verrückt. Er wusste so viel über mich. Er hat mir das dann erzählt und er wusste einfach Sachen aus meiner Kindheit, die ich niemandem erzählt hatte oder über meine Mutter, über meine körperliche Gesundheit. Dass ich als Kind, was weiß ich, Nierenprobleme hatte oder so. Also er hat so detaillierte Sachen gewusst, die ich nicht erzählt hatte und das fand ich erst ganz, ganz gruselig.

Okay, du könntest mit diesen Informationen sehr viel machen. Wir waren befreundet waren und ich hatte sehr viel Vertrauen zu ihm. Ich habe dann mal einen Perspektiv-Wechsel gemacht und ihn gefragt: „Sag mal, aber wie machst denn du das, wenn du mal auf eine Party gehst oder so und dich ranzen da zehn Leute an und du hast dann zehn komplette Leben in deinem Kopf. Und weißt, wie es denen körperlich geht. Das muss doch anstrengend sein?“ Also, wie leben denn diese Menschen? Die können ja kein normales Leben führen.

Er meinte dann auch nur so ganz trocken: „Ja, ich gehe zu keinen Partys. Ich bin jetzt auch ungern unter vielen Menschen.“ Also er hatte einfach eine eigene Welt, ein eigenes Leben. Und es ist sehr anstrengend, hatte er auch gemeint. Er will das ja gar nicht immer alles wissen.

Es war auch so ein Moment, wo ich dachte, irgendwie zerbröckelt meine Realität gerade. Wie kann denn sowas geschehen? Also wie kann ein Mensch so viel Wissen haben und so spirituell sein, dass einfach diese physische Welt für ihn eigentlich gar keine Bedeutung hat, sondern eher das, was er eben durch Berührung weiß? Und was er damit macht? Damit ist er wahrscheinlich vielmehr beschäftigt in seinem Alltag als mit  Rechnungen bezahlen und arbeiten gehen.

 

Gunda: Ja, ich denke auch, dass wir einfach so gefangen von unserem Alltag und der Routine sind, dass wir solche Sachen gar nicht mehr wahrnehmen. Also vor allem auch in Deutschland mit diesem System. Ich glaube, es gibt schon weitaus mehr Menschen, die unglaubliche Fähigkeiten haben, aber sich selber dessen auch gar nicht bewusst sind. Weil wir eben, wie du gesagt hast, Rechnungen schreiben, Rechnungen bezahlen. Wir sind beschäftigt, in die Arbeit zu gehen und all diese Dinge. Manche sind einfach von vornherein schon offener dafür oder dann ist diese Fähigkeit einfach so stark, dass du gar nicht drumherum kommst und das dann einfach mitbekommst. Ja, spannend!

 

Iris: Genau. Ich denke auch, in unserer westlichen Welt sind wir gar nicht damit beschäftigt, denke ich. Also schon inzwischen mehr vielleicht als früher. Aber diese ganzen magischen Dinge, die passieren, die wir aber gar nicht sehen oder spüren, weil wir einfach nicht sensibel dafür sind.

In Indonesien ist das jeden Tag ein Thema. Da ist irgendeine Veranstaltung, zum Beispiel, und es regnet. Und da wird dann ein älterer Veranstalter gefragt: „Ja, könntest du mal schnell den Regen verschieben?“ Und dann sitzt der dort vor dem Konzertsaal. Setzt sich hin, macht ein Räucherstäbchen an oder so und dann ist der Regen weg! Also, ich will ja nicht sagen, dass er das alleine gemacht hat, aber es hat schon sehr oft geklappt irgendwie. Da wurde dann jemand beauftragt oder manchmal auch mehrere Menschen, die sich dann im Kreis aufgestellt haben. Das war einmal auf einem Konzert. Da ist das Konzert unterbrochen worden. Es gab halt kein Regenschutz und die haben sich dann im Kreis auf die Bühne gestellt und dann ja, zehn Minuten später war es wieder heller. Also das ist auch so eine Sache. Das ist ja ganz praktisch manchmal.

 

Gunda: Ja schon.

 

Iris: Kann auch nicht jeder. Es ist jetzt nicht so, dass alle Indonesier so viele Kräfte oder magische Fähigkeiten haben. Aber es gibt doch viele, die sich wahrscheinlich auch seit ihrer Kindheit damit beschäftigen. Und Geister, klar – Riesenthema!

Dass eine Persönlichkeit mal zu Besuch kommt, die man jetzt nicht unbedingt sieht. Ich muss sagen, ich bin froh darüber, dass ich nicht so sensibel bin. Also ich bin eigentlich ganz froh, dass ich auch in Deutschland aufgewachsen bin, weil ich glaube, dass das auch sehr, sehr energieraubend sein kann, wenn du immer so das Gefühl hast, jemand ist im Raum oder du siehst eine Gestalt.

Es ist auch sehr beängstigend für viele Menschen. Zum Beispiel mein Mann, der geht da auch ganz interessant damit um. Der sieht auch viel und spürt viel. Und der entschuldigt sich zum Beispiel jedes Mal, wenn er irgendein Haus betritt, was er noch nicht kennt. Also man kennt das ja aus Indonesien auch, das Permisi = „Entschuldigung“ Man sagt nicht „Hallo“.

Aber er macht das nochmal auf seine eigene Art, dass er wirklich um Erlaubnis bittet und dann den Raum betritt. Vorher geht’s nicht. Und ganz spannend auch, er hat eben in Deutschland in unserer Wohnung tatsächlich auch jemanden gesehen. Also das war mir auch vorher schon bewusst, dass das eben nicht nur in dem Land passiert, wo die Menschen sensibel dafür sind, aber er hat tatsächlich auch in Deutschland den ein oder anderen getroffen.

Also wir sprechen da jetzt nicht ständig drüber, aber es ist einfach ein Teil, der dazugehört in seinem Leben und ich bin einfach froh, ganz ehrlich, dass das nicht so ein Teil in meinem Leben ist, dass ich ständig irgendjemanden treffe oder nachts eben nicht schlafen kann, weil die Tür offen ist oder so. Ich finde das sehr, sehr anstrengend.

 

Gunda: Spannend, sehr, sehr spannend. Also da müssen wir unbedingt nochmal ein bisschen mehr in die Tiefe gehen – vielleicht zu einer anderen Folge. Und schauen, was du da noch so für Erfahrungen gemacht hast.

 

Iris: Ja.

 

Gunda: Ihr seid seit zwei Jahren schon in Bali. Wie kam es dazu? Was hat euch nach Bali gezogen? Und wie empfindest du das? Gibt’s da große Unterschiede zu Yogya? Ich denke, das ist interessant zu hören, weil doch beide, also Bali und Yogya doch auch sehr, sehr bekannt für Touristen oder auch Auswanderer sind. Erzähle doch mal.

 

Iris: Ja, das ist auch wieder so eine sehr intuitive Geschichte gewesen. Also Bali ist uns tatsächlich in den Schoß gefallen. Darauf haben wir gar nicht hingearbeitet. Das war auch nicht unser Plan gewesen. Wir waren ja damals in Deutschland und wollten auch noch ein bisschen länger bleiben. Wir hatten aber Freunde auf Bali. Das sind alles Javanesen.

Es ist eine Community hier und die haben uns eingeladen. Also die existieren auch erst seit, ich glaube, seit drei Jahren und die haben einfach Leute zu sich geholt. Die wollten wachsen und wir kannten die schon sehr, sehr lange aus Yogya. Die sind umgezogen nach Bali und dann haben die uns einfach eingeladen: „Iris, Budi, kommt doch nach Bali. Wir haben ein sehr großes Grundstück hier. Wollt ihr nicht eure kleine Hütte hier aufbauen? Wollt ihr nicht mit uns zusammen diese Community aufbauen und hier arbeiten und leben?“

Das klang wie eine fantastische, neue, offene Tür für uns. Wir haben das nicht geplant, aber wir haben gedacht, weil die innere Stimme spricht bei uns tatsächlich immer mit, wenn wir jetzt mit dem Kopf entscheiden würden, würden wir länger in Deutschland bleiben, damit mein Mann diese Greencard – ich glaube, es ist eine Blaue Karte in Deutschland – also, dass er seinen permanenten Aufenthalt bekommt.

Aber dann haben wir uns doch für Bali entschieden, weil das so, so gut klang. Es hat einfach sehr gestimmt. Also Deutschland war jetzt auch nicht so einfach für meinen Mann und ich hatte eben auch so das Gefühl, mir fehlt sehr viel aus Indonesien und Bali wirkte so, wie der Mittelweg für uns. Also Java war für mich manchmal sehr extrem und Deutschland war für meinen Mann manchmal sehr extrem. Und Bali wirkte sehr gut. Für uns war das einfach ein sehr guter Mittelweg und das hat sich auch bestätigt.

Wir haben hier tatsächlich eine gute Mitte gefunde, zwischen unseren Kulturen oder auch, was unsere Bedürfnisse angeht. Was meine Bedürfnisse angeht, war ja ein bisschen mehr Direktheit, Privatisierung. Die Balinesen empfinde ich tatsächlich so. Die sind ein bisschen direkter. Und leben auch ein bisschen privater. Ihre Familie ist sehr wichtig und wird geschützt.

Aber ich kann nicht so viel dazu sagen. Ich bin tatsächlich noch nicht so lange hier. Und durch Corona habe ich auch tatsächlich noch nicht so viel meine Fühler ausstrecken können, was die Bali-Kultur angeht. Aber es wirkte alles sehr gut und für meinen Mann war das ja auch fantastisch, weil er seine Community hatte und nicht so weit von zu Hause entfernt wohnt.

Und dann haben wir das gemacht. Wir haben unsere kleine Holzhütte gebaut. Ganz nach dem Motto: Do-it-yourself. Also wirklich nur mit Freunden und sehr naturbelassenen Materialien. Heißt Bambus, Durian-Holz, Kokosnuss-Holz und ja, anderen Sachen und es war ein sehr großes, großes Experiment. Mein Mann kennt sich ein bisschen aus mit Hausbau. Ich habe so ein bisschen dieses, ich weiß nicht, meine Mutter war halt mal technische Zeichnerin in einem Architektenbüro.

Ich habe so einen kleinen Blick dafür, wie man, wo man Fenster einsetzt und solche Sachen. Aber so richtig wussten wir nicht, was wir machen. Wir haben es einfach gemacht. Und das Haus hat jetzt den zweijährigen Test bestanden. Also es steht und es ist gut. Wir vermieten es jetzt tatsächlich auch.

Wir sind jetzt nochmal umgezogen. Ich weiß nicht, ob das auch wieder an diesem Zweijahres-Rhythmus liegt. Also ich habe das Gefühl, wir leben immer so in einem Zweijahres-Rhythmus. Dass nach zwei Jahren eine Veränderung her muss und wir dann so nach Gefühl irgendwas anderes machen wollen. Also wir sind genau nach zwei Jahren wieder umgezogen, innerhalb Balis. Jetzt wird unser Haus vermietet und das fühlt sich eigentlich sehr gut an, weil wir ungern auf unseren Projekten sitzenbleiben.

Wir sind tatsächlich so, wir kreieren was und dann lassen wir es wieder los und so fühlte sich das auch mit dem Haus an. Und ja, das ist jetzt auch ganz neu erst, dass wir das vermieten und unsere Gäste haben uns ein ganz gutes Feedback gegeben. Unsere ersten offiziellen Gäste, die haben auch gleich verlängert. Das finde ich auch super, es scheint gut anzukommen!

 

Gunda: Wie kann man denn euch da erreichen, wenn man in Indonesien ist und sagt, wir wollen da in dem Haus von der Iris wohnen? Wie läuft das dann?

 

Iris: Ja, also gerne über das Instagram, aber wer jetzt kein Instagram hat, der kann mich natürlich immer per E-Mail sehr gut erreichen.

 

Gunda: Darf ich die dann auch angeben?

 

Iris: Sehr gerne.

 

Gunda: Ja, okay, super. Oder vorbeikommen, sagtest du noch.

 

Iris: Ja, genau. Gerne auch vorbeikommen. Es sollen sich ja die Grenzen wieder ein bisschen mehr öffnen. Also wir warten da schon auf Besuch. Wir freuen uns sehr, wenn ihr irgendwann vorbeikommt

 

Gunda: Ja, super. Dann sind wir eigentlich schon fast durch mit unseren Themen. Was ist denn so für die Zukunft bei euch geplant? Also du hast gesagt, Zweijahres-Rhythmus. Das heißt auf jeden Fall mal zwei Jahre da bleiben, wo ihr aktuell seid oder wie ist das denn so für euch geplant?

 

Iris: Ja, also wir sind durch diese Corona-Zeit hier noch nicht so angekommen. Ich fühle mich immer noch sehr frisch und neu auf der Insel und ich denke, wir sind einfach jetzt gerade an einem sehr guten Ort. Wir sind sehr gut angekommen auf Bali und was wir tatsächlich zur Zeit brauchen ist Beständigkeit. Wir wollen jetzt nicht sofort wieder irgendwo anders hin. Wir möchten gerne mal Alltag, Routinen, Freundschaften pflegen. Das ist so für mich gerade Thema und vielleicht liegt es auch am Alter, aber wir sind jetzt gerade froh, einfach angekommen zu sein. Und es wirkt sehr gut, so wie es gerade ist. Und wir bauen ja auch gerade noch so ein bisschen an unseren Workshops und es gibt so viele schöne Sachen hier zu tun. Also wir sind sehr, sehr zufrieden gerade. Und so soll es erstmal bleiben.

 

Gunda: Schön. Das klingt sehr gut. Wie geht es dir denn – was vermisst du denn am meisten aus Deutschland, wenn du in Indonesien bist und auch umgekehrt?

 

Iris: Ja, das ist eine interessante Frage.

 

Gunda: Ja, ich bin jetzt auch gespannt auf deine Antwort. Es war ein interessantes Gespräch schon mal.

 

Iris: Ja, ich glaube, das Größte oder das Wichtigste aus Deutschland ist für mich tatsächlich so ein bisschen diese Struktur zu bewahren. Dass ich mir innerlich so eine Struktur aufbaue, weil es die eben in Indonesien nicht gibt. Oder anders gibt. Sie funktioniert ja irgendwie, aber anders. Und dieses Zeitmanagement einfach, dass man sich wirklich seinen Alltag gestaltet.

Was mir tatsächlich fehlt aus Deutschland, ist der Wald. Der europäische Wald fehlt mir sehr oft. So ein ganz dunkler, stiller Wald, wo man sich wirklich verlaufen und verlieren kann und wo man ganz alleine ist. Das fehlt mir manchmal hier. Ich liebe den Dschungel und ich liebe die Natur hier, aber dieses Alleinsein in der Natur und ja, am besten noch so ein ganz tiefer Wald. Das fehlt mir total. Das kann man auch hier nicht erzeugen oder so. Da muss man nach Hause fahren dazu.

 

Gunda: Ja.

 

Iris: Daneben natürlich auch die Freundschaften, die fehlen mir sehr. Die haben sich in den letzten Jahren auch total verstärkt. Nach meiner Rückreise nach Deutschland ist da vieles wieder aufgelebt und hat sich gefestigt und das möchte ich auch nicht missen. Die Freunde aus Deutschland. Das ist ein ganz großes Thema für mich. Familie ist auch ein Thema. Ja, das sind so Sachen, die ich schon sehr vermisse.

 

Gunda: Ja. Wenn du dann mal länger in Deutschland bist, dann gibt es bestimmt auch so einiges.

 

Iris: Ja. Da gibt es sehr, sehr viel, was ich vermisse. Also ich fühle mich tatsächlich zurzeit mehr in Indonesien zu Hause als in Deutschland. Das liegt wahrscheinlich an meinen Grundbedürfnissen. So ein Gemeinschaftsgefühl fehlt mir manchmal in Deutschland. Dass man sich unter Nachbarn eben auch gegenseitig hilft und die lächelnden Menschen, die man gar nicht kennt. Einfach dieses Miteinander würde mir fehlen. Und auch das Urvertrauen der Menschen hier.

Es ist ja, wie wir schon angesprochen haben, vieles wird vielleicht nicht geklärt oder nicht angesprochen, aber ich denke tatsächlich auch, dass die Menschen hier ein gewisses Vertrauen haben in sich, dass es sich schon irgendwie regeln wird. Es muss eben nicht immer über alles gesprochen oder sich Sorgen gemacht werden. Und das ist für mich ein großes Thema, so dieses sich Sorgen machen und das finde ich hier sehr angenehm, dass es eben nicht ständig darum geht: Oh Gott, das noch. Und Gott, die Politik.

Also es ist ja dramatisch und die Welt geht unter und vielleicht tut sie das auch, aber was bringt einem denn das, sich da ständig daran zu erinnern und sich fertig zu machen. Also ja, eher Probleme zu sehen als die Lösung. Da habe ich hier mehr das Gefühl, dass die Leute damit ganz gut umgehen können. Auch mit Katastrophen. Es ist ja wirklich vielleicht auch ein bisschen aktiver hier, was Naturkatastrophen angeht oder andere Einschnitte. Das finde ich sehr inspirierend, einfach für mich und das fehlt mir manchmal in Deutschland.

 

Gunda: Ja. Solange man dann beides, aus beiden Ländern, mitnehmen kann. Immer mal wieder. Hoffen wir mal, dass die Situation sich ein bisschen entspannt und dann können wir auch wieder mal dorthin und hierhin.

 

Iris: Ja, ganz wichtig, genau. Diese Balance zu finden ist eigentlich sehr gut.

 

Gunda: Ja, schön. Iris, dann sind wir eigentlich schon am Ende angekommen. Es war ein ganz, ganz schönes, spannendes Gespräch und ich freue mich auch, wenn wir es noch mal schaffen, dass wir zusammenkommen.

 

Iris: Da freue ich mich auch drauf. Also absolut.

 

Gunda: Und das ein oder andere Thema vertiefen. Ja und wenn ich mal wieder in Bali bin, dann komme ich auf jeden Fall vorbei.

 

Iris: Jawohl! Sehr schön. Sehr schön.

 

Gunda: Und schaue mir euer Häuschen an.

 

Iris: Super. Da freue ich mich.

 

Gunda: Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg bei euren weiteren Plänen und dass alles entspannt läuft mit der nötigen Struktur.

 

Iris: Ja. Vielen Dank, Gunda. Ich wünsche dir das Gleiche. Ich freue mich, dass der Podcast entstanden ist und vielen Dank noch mal für diese Einladung. Fand ich sehr gut.

 

Gunda: Dankeschön, hat mich auch gefreut. Mach’s gut. Bis bald. Tschüss.

 

Iris: Ja. Bis dahin, ja. Tschüssi.

 

Das war Coconut-Talk, dein Podcast über das Leben in Indonesien.

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Bis zum nächsten Mal, Sampai jumpa! 

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